Samstag, 2. Juli 2011

Virtuelle (Hör-)Buchwidmung XXVI.

Julia
Anne Fortier

Romeo und Julia gab es wirklich, aber ein bisschen anders, dafür liegt ein Fluch auf ihrer beider Familien, der in der Gegenwart in Siena nach viel Tam-Tam seine Erlösung findet. Ach herrje. Nein, so schlimm wie es klingt, ist der Schmöker gar nicht, und hätte ich zwischendurch etwas zu dem Buch gesagt, wäre meine Meinung besser ausgefallen. Am Ende wird‘s aber wirklich zu dramatisch, der ganze Kram muss ja irgendwie aufgelöst werden. Der Wiederlesefaktor liegt bei null. Definitiv.

Dennoch: Zeitverschwendung war es nicht.

Montag, 20. Juni 2011

Virtuelle Buchwidmung XXV.

Corpus Delicti
Juli Zeh

Der stärkste Satz des Buches: "Das Leben ist ein Angebot, das man auch ablehnen kann."

Die Geschichte kommt etwas schwach daher, bedenkt man, welche gruselige Dystopievorstellung dahinter steht. Dystopien dieser Größenordnung sind einfach schwer umzusetzen. Ich denke, der Schreiber muss sich selbst ganz in jene neue Welt eindenken, die er entwirft, ohne Blick zurück, auf das Heute, er muss selbst, zumindest zeitweise, in dem Horror gefangen sein, den er entwirft, in dem Horror dort, in der Zukunft.

Das, so scheint's, ist Juli Zeh nicht gelungen. Denn ich als Leser blieb aber das ganze Buch über im Heute verhaftet, sei es bei der Folter, die mit Stromstößen und dem sekundenschnellen Wechsel zwischen Licht und Dunkelheit stark an das erinnern, was auch heute im Namen der freiheitlichen Demokratie passiert, seien es die Medien, die in der Person des Herrn Kramer in der Lage sind, in Strafprozesse einzugreifen, und die den gesellschaftlichen Konsens, in dem Buch die METHODE, kritiklos verteidigen.

Juli Zeh schreibt handwerklich gut, insofern war das Buch ein netter Zeitvertreib, mehr aber leider nicht.

Samstag, 18. Juni 2011

Arbeitsbeschaffung fürs Verwaltungsgericht

So etwas denken sich nicht einmal Satiriker aus:

Die Eltern trennen sich, der Vater zahlt keinen Unterhalt. Und klagt dann darauf, dass sein Kind keinen Unterhaltsvorschuss erhalten soll, weil dann ja das Land an ihn herantreten würde, um diesen Unterhaltsvorschuss zurückzufordern.

Auf so eine Klage muss man erst mal kommen!

Und wer's nicht glaubt, mag's hier nachlesen.

Eine traurige Nachricht für Querulanten

Kinderlärm kein Grund zur Klage mehr.

Die bis zu dieser Minute 75 Kommentare sollten sich Querulanten, aber auch kinderliebe Menschen sparen. Nein, ich habe nicht alle gelesen. Spätestens bei da muss ich mir als Arbeitender in Zukunft die Blagen nachts um 12 aufm Flur anhören und kann nix dagegen machen?
Das freut die Hartz IV Familie, brauch sie sich doch noch weniger um die Brut zu kümmern.
hatte ich wirklich keine Lust mehr.

Erinnert mich zu sehr an unseren kleinstädtischen City-Manager, der die Idee, aus den Markstraßen eine Fußgängerzone zu machen und an dem einen Ende einen Spielplatz zu installieren, unter anderem abschmetterte mit Argumenten wie:

Da sitzen die Jugendlichen ja nur noch in der Innenstadt rum und betrinken sich. und Bei einem Spielplatz wäre der Kinderlärm für die Awohner viel zu laut.
(Zitat sinngemäß aus dem Gedächtnis wiedergegeben.)

Weil nämlich eine mit Autos verstopfte Innenstadt ungeheuer leise ist, wie ich bereits an mehreren Stellen als Anwohnerin dieser Innenstadt in Erfahrung bringen durfte. Im Klartext heißt das: Unserem Citymanagement sind Autos lieber als Kinder.

Ich merke schon, ich schreibe mich wieder in Rage. Ich bleibe lieber ruhig und freue mich über ein leider nötiges, leider längst fälliges Gesetz.

Mittwoch, 15. Juni 2011

Schmarotzer, seid gewarnt!

Und wieder mal ne Hatz: Hier steht zu lesen, wie sich (einige) Selbstständige arm rechnen, um die königlich-üppigen Hartz-IV-Bezüge einzustreichen. Natürlich. Man stelle sich vor: Florierendes Unternehmen, florierende freiberufliche Tätigkeit, und der im Artikel angenommene Unternehmerschmarotzer denkt sich: Och, vielleicht kann ich ja noch Hartz IV abgreifen, die Kohle kann ich dann ja zum nächsten Italiener tragen. Oder so.

Ist ja schnell mal beantragt, dieses Hartz IV, vor allen Dingen als Selbstständiger (!), und die Schikane auf dem Amt, Verzeihung, die Schikane der Agentur, ist mir als gut situierter Unternehmer egal, lasse ich mir auch gern gefallen, für so‘n paar Euro.

Wenn‘s richtig gut läuft in meinem Unternehmen habe ich übrigens auch wirklich genug Zeit übrig, um mich freiwillig und freudestrahlend mit dem Hartz-IV-Formular-Krieg auseinanderzusetzen.

Die Tatsache, dass Hartz IV dem Progressionsvorbehalt unterliegt und ich somit das Finanzamt über meinen Hartz-IV-Bezug informieren muss, ist für mich als gut situierter Unternehmer, der unbedingt Hartz IV abgreifen will, völlig unerheblich. Entweder ich halte das Finanzamt für so blöd, dass ich die tatsächlichen Einnahmen versteuere und mal davon ausgehe, dass niemand jemals auf die Idee kommt, warum ich als gut situierter Unternehmer Hartz IV beziehe. Oder ich unterschlage dem Finanzamt, dass ich Hartz IV beziehe und halte damit die Sachbearbeiter für noch blöder.

Oder ich gehe als gut situierter Unternehmer ganz in die Vollen und hinterziehe Steuern, wo ich doch ohnehin den strafrechtlich relevanten Betrug gegenüber der Agentur für Arbeit auf dem Buckel habe.

Na sicher. Da werden sich unendlich viele Unternehmer „arm rechnen“.

Und dann wäre da noch die andere Variante: Die Selbstständigen, die wirklich Hatz IV beziehen müssen, liegen dem Staat uffe Tasche. Und dazu hat BA-Vorstandsmitglied Alt eine ganz klare Meinung:

Irgendwann muss man schwarze Zahlen schreiben oder - so weh es tut - die Selbständigkeit aufgeben. Der Steuerzahler kann nicht auf Dauer eine nicht tragfähige Geschäftsidee mit finanzieren.

Es ist nämlich viel besser, wenn der Steuerzahler diesen Menschen dann komplett durch Hartz IV finanziert. Ist doch klar!

Sonntag, 12. Juni 2011

Von Gilden, die die Welt nicht braucht

Seit Herbst letzten Jahres wohne ich an einer der drei Marktstraßen meiner Kleinstadt. Die Wahl meines Domizils hat mich bisher mehr als zufrieden gestellt. An dem Markttagen brauche ich nur aus der Tür zu stolpern und kann mich in ausreichender Menge mit Obst und Gemüse versorgen, zur Stadtbücherei, zur Arbeit und zur Kinderburg, in der Knirps während meiner Arbeitszeit spielt, schläft und Blödsinn macht, bin ich satte drei Minuten unterwegs - zu Fuß. Auch die Supermärkte sind nicht allzu weit weg, Getränke lasse ich mir liefern, alles in Allem sehr praktisch für Menschen wie mich, die kein Auto besitzen und diesen Zustand auch so beibehalten wollen.

Eines jedoch habe ich nicht bedacht: Schräg gegenüber ist das Gildehaus zu finden, eines der ältesten Häuser meiner Kleinstadt, dass sich aus den Fenstern meines Domizils recht gut bewundern lässt, wohne ich doch im dritten Stock. Allerdings ist das Gildehaus auch Treffpunkt für Gilden. Klingt erst einmal gar nicht bedrohlich. Doch die aktivste Gilde meiner Kleinstadt ist, wie sich das für eine niedersächsische Kleinstadt gehört, die Schützengilde. Die Schützengilde, die jedes Jahr an Pfingsten zum Schützenfest ruft, die Schützengilde, die jedes Jahr um diese Zeit erheblichen Platz in der Tageszeitung und den Anzeigenblättern beansprucht und, damit nicht genug, eine ganze Beilage mit diversen Schützengilden-Informationen füllt, die vielleicht sogar jemanden interessieren, der sich mir allerdings noch nicht vorgestellt hat, und, schlussendlich, die Schützengilde, zu der natürlich auch ein Spielmannszug gehört, der mir gerade in diesem Moment mit furchtbar viel Rum-Ta-Ta auf die Nerven geht.

In solchen Momenten ist man fast geneigt, in ein garantiert schützenfreies Dorf zu ziehen, sich nötigenfalls gleich drei Autos zu besorgen, nur, um den Schützenwahnsinn zu entfliehen. Nun ja. Fast. Stattdessen denke ich neiderfüllt an das Mittelalterfest des Fährvereins Brobergen, zu dem sich Keines Weibers Knecht aufgemacht haben. Die Beiden werden ganz sicher von den schrägen Klängen eines wie auch immer gearteten Spielmannszugs verschont. Viel Spaß, Jungs!

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Tja, was neues ist das...
Tja, was neues ist das leider nicht. Vor allem, was...
Oliver (Gast) - 24. Okt, 15:27
Solche "wichtigen" Meldungen...
... sollen doch nur von den Dingen ablenken, von denen...
DonJuergen - 13. Sep, 18:14
Stimmt. Ich war auch...
Stimmt. Ich war auch ziemlich entgeistert. Habe 'ne...
Trojaner2304 (Gast) - 26. Apr, 09:09
1984
Ich finde das "Ministerium für Liebe" - ebenfalls Orwell...
DonJuergen - 25. Apr, 18:51
Das passt doch sehr gut!
Das passt doch sehr gut!
DantesMuse - 19. Apr, 10:41
Ich kann da als kinderlose...
Ich kann da als kinderlose Frau nicht mitreden. Aber...
Ani72 - 19. Apr, 08:35
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Ani72 - 18. Apr, 22:35
Schön, wenn's so wäre....
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DantesMuse - 18. Apr, 21:12