Dienstag, 3. Juli 2012

Wer sagt denn, dass man Mathias Döpfner nicht zuhören sollte?

Wenn mein Blog sich fremdschämen könnte, würde es das wahrscheinlich tun - in Anbetracht der Tatsache, dass ich meine Leserschaft mal wieder sträflich vernachlässige. Doch es gibt so viel zu tun, dass mir gar keine Zeit mehr bleibt, mich über seltsame Dinge aufzuregen oder nette Nichtigkeiten mitzuteilen.

Aber die hartnäckigsten meiner Leser wissen: Es kommen auch wieder andere Zeiten. Bis dahin nutze ich diese Plattform, um wieder einmal auf die nächste Folge von alternativlos hinzuweisen. Für Skeptiker: Nein, ich habe keine Absprache mit den Machern, ich finde die Podcasts nur unglaublich gut.

Dieses Mal führen Fefe und Frank ein Interview mit Mathias Döpfner. Richtig gelesen. Genau DER Mathias Döpfner. Gefiel mir.

Wer reinhören will, findet hier den Link zum Podcast.

Dienstag, 8. Mai 2012

Lust auf Verschwörungstheorien?

Na, dann nix wie ran und die aktuelle Folge von Alternativlos hören! Da geht es nämlich nicht nur um Verschwörungstheorien an sich, sondern - besonders spannend - auch um Verschwörungstheorien, die sich als wahr herausgestellt haben, darum, dass es die eine Wahrheit nicht gibt und darum, dass es schon ganz praktisch ist, die Tagesschau auf seiner Seite zu haben, wenn man seine ganz eigene Wahrheit verkünden möchte. Hörenswert!

Mittwoch, 25. April 2012

Wer hat, dem wird gegeben

Mein Radiowecker machte heute Morgen wie (fast) jeden Morgen seinen Job: Er merkte sich die Weckzeit und versorgte mich pünktlich mit Radiogedudel. Und ich machte das, was ich ebenfalls fast jeden Morgen mache: Gedudel anhören, auf die Nachrichten warten und nach den Nachrichten endlich so weit wach zu sein, dass ich gefahrlos in die Küche wanken, meinen Wasserkocher einschalten und, während ich auf das kochende Wassre warte, eine Tasse mit einer ordentlichen Portion Uelzena-Cappuccino-Pulver bestücken kann.

Heute Morgen brauchte ich keinen Cappuccino. Ich war hellwach und stinksauer, da waren die Nachrichten noch gar nicht zu Ende.

Das Betreuungsgeld, liebevoll auch Herdprämie getauft, also die 300,00 Euro pro Monat, die die Mütter davon abhalten sollen, die Kommunen in arge Bedrängnis zu bringen, indem sie auf Krippen- und Kindergartenplätze bestehen, dieses Betreuungsgeld also, ein weiterer Zankapfel der so genannten Wunsch-Koalition, soll an Hartz-IV-Empfänger nicht ausgezahlt werden.

Natürlich nicht, Hartz-IV-Empfänger-Kinder bekommen ja schließlich heute schon faktisch kein Kindergeld, warum sollten die dann plötzlich 300,00 Euro im Monat mehr bekommen? Schließlich bleibt die Mama ja ganz offensichtlich ohnehin zu Hause, ob sie will oder nicht, da müssen wir die ja nun nicht vom Arbeitsmarkt weglocken. Konsequent zu Ende gedacht, dieses Betreuungsgeld.

Und auch sonst ist dieses Herd-Dingsda doch prima! Dass dem, der hat, gegeben wird, ist in Deutschland ja seit Jahren Konsens. Und dass Hartz-IV-Empfänger blöd, fett, dumm und faul, zum Teil zusätzlich auch noch Migranten sind, die sich wie die Karnickel vermehren, weil sie keinen Bock auf Maloche haben, dafür dann aber eine Brut heranziehen, die ebenfalls blöd, fett, dumm und faul wird, denn sie kennt es ja nicht anders, diese bildungsferne Schicht, also, das ist auch Konsens – darf man aber nur laut sagen, wenn man Sarazzin heißt.

Ist doch toll! Demnächst drehen wir dann noch die Steuersätze um, Höchstsatz für die niedrigste Lohnstufe, und dann müssen wir kreativ werden, um die Armen noch ärmer und die Reichen noch reicher zu machen. Aber da fällt uns Deutschen bestimmt noch was ein.

Wie, werter Leser? Sie verweisen auf das „sozial“ bei der sozialen Marktwirtschaft? Aber ich bitte Sie! Das ist eigentlich so gedacht wie mit dem „Wahrheitsministerium“ bei Orwell: Gib‘ dem Kind einen vertrauenserweckenden Namen und schon kannste machen, was Du willst. Wir leben schließlich in einer sozialen Marktwirtschaft, in der es sogar Tafeln gibt. Wen scheren da die Armen!


Update: Vor lauter Empörung habe ich glatt vergessen, dazu noch einmal zu recherchieren. 300,00 Euro waren früher mal im Gespräch, meine ich mich zu erinnern, vielleicht habe ich das aber auch nur mit dem Grundbetrag des Elterngelds verwechselt. Es sollen 100,00 Euro und ab 2014 150,00 Euro werden, für Hartz-IV-Empfänger aber immer noch richtig viel Geld. Hier gelesen.

Richtig schön dabei ist das:

CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt sagte am Dienstag, "das Betreuungsgeld muss angerechnet werden". Eine solche Regel gebe es ja auch beim Kindergeld.

Da muss die Ungerechtigkeit, dass Hartz-IV-Empfänger eben kein Kindergeld bekommen, nun also sogar als Begründung herhalten, warum das mit dem Betreuungsgeld genau so laufen soll. Ganz offen. Ich bin sprachlos.

Mittwoch, 18. April 2012

Schon wieder: Die Frau Schröder

Wir müssen der Frau Schröder eigentlich sehr dankbar sein. Dankbar dafür, dass sie ein Buch geschrieben hat, dass so hohe Wellen schlägt in der Medienwelt.

Ich bin es jedenfalls, obwohl die Tatsache, dass ich immer wütender darüber werde, dass Frau Schröder die gute Arbeit der Frau von der Leyen so brachial kaputthaut, als würde sie die Mauern von Jericho bezwingen wollen, und die Wut steigt, je mehr ich mich mit dem Problem „Frau Schröder“ auseinandersetze, ins Unermessliche. Mir war vorher schon klar, dass dieser Posten mit der Frau in etwa so gut besetzt ist, als beriefe man einen Steuerhinterzieher zum Finanzminister (an dieser Stelle muss ich erwähnen, dass die Idee dieses Vergleichs nicht von mir, sondern von DonJürgen stammt, der dabei die Realität noch deutlicher, um nicht zu sagen: drastischer darstellte. Trifft die Sache aber bloggenswert gut.).

Aber jetzt ist es wenigstens in aller Munde, wie hier schon einmal dargelegt.

Und die Debatte geht - wirklich schlau und schön -weiter: Da darf die Feministin Barbara Vinken im Deutschlandradio Kultur mal erklären, warum das mit der Wahlfreiheit echt eine tolle Sache wäre - gäbe es sie denn.

Und weil Kleinstadtelli sehr häufig ihren Senf dazu geben muss, erkläre ich das jetzt mal, auf Kleinstadtniveau: Frau Schröder sagte glaube ich mal irgendwann, dass sie und ihr Freund einen Tag Zeit hatten, zu entscheiden, ob sie denn nun den Posten als Familienministerin annimmt oder nicht. Ich muss das dieser Tage gehört haben, möglich, dass so etwas sogar in ihrem Buch steht, möglich aber auch, dass das mit dem einen Tag nicht ganz richtig ist: Die Richtung stimmt aber und das ist hier ein Kleinstadtblog, ich darf aus dem Gedächtnis heraus zitieren. Bestimme ich einfach mal.

Um zum Thema zurückzukommen: Ich finde, das ist auch keine große Sache und sollte heute möglich sein. Man klärt das untereinander und stellt fest, ob man in dieser Beziehung die Herausforderung der Entfernung und der großen Arbeitsbelastung mindestens einer der Partner eingehen möchte oder nicht.

Ich habe aber noch nicht gehört, dass Frau Schröder die Sache mit der Schwangerschaft und der Kinderbetreuung jetzt mal so einfach dargestellt hätte. Ich behaupte ja nicht, dass es wirklich einfach für sie ist, Mutter zu sein und gleichzeitig Gedöhns-Ministerin (stimmt doch! So, wie sie das angeht, können wir das Kind ja nun wirklich mal beim Namen nennen.).

Ich behaupte aber, dass sie sich noch nie in die Lage versetzt sah, zur Kinderbetreuung zu joggen, nur, weil der Job 20 Minuten Mehrarbeit erforderte (und ihre Schuhe sind sicher unbequemer als meine höchstens 3-Zentimeter-Riemchen-Pumps, damit macht das aber auch keinen Spaß, erst Recht nicht, wenn man unsportlich ist), einfach, damit man den vom Landkreis bewilligten Zeitrahmen, den die Großtagespflegekindertagesstätte (ich weiß, ein gruseliges Word) bezahlt bekommt, am besten gar nicht oder so wenig wie möglich überspannt.

Der Leser möge mich nicht falsch verstehen: An Flexibilität sind die Damen, die das Haus leiten, nicht zu überbieten, hier in der Kleinstadt. Aber ich will auch nicht damit anfangen, die unstrapazierte Geduld zu strapazieren. Und ich weiß außerdem, dass die Damen auch gerne mal Feierabend haben wollen.

Das Joggen jetzt ist also genau genommen freiwillig und meiner Empathie geschuldet. Aber der Knirps soll ja auch mal in den Kindergarten. Was meine Silbersträhne im roten Haar massiv verbreitert. Da sitze ich da, in der Kleinstadt-Innenstadt, mit zwei Jobs gesegnet, mitten in der Innenstadt und einer Kinderbetreuung, die auch - Sie werden es erraten - mitten in der Innenstadt liegt. Jetzt. Und dann kommt der Kindergarten:

Der einzige öffentliche Kindergarten in der ganzen Kleinstadt, der von montags bis freitags zumindest bis 18:00 Uhr Kinder betreut (eigentlich natürlich nur bis 17:00 Uhr, die Stunde zusätzlich wird dann extra kosten), liegt, meiner bescheidenen Interpretation nach, so weit weg von meinem Wirkungskreis in der Innenstadt, wie das überhaupt nur möglich ist, in so einer Kleinstadt. Ich habe mich noch nicht getraut, dass mal genauer zu recherchieren, aber mit drei Kilometern liege ich da bestimmt nicht falsch.

Selbst mit Fahrrad ist das nur in 20 Minuten zu machen, das letzte Stück zum Kindergarten ist dann natürlich auch mit der einzigen wirklichen Steigung auf dem Weg ausgestattet - und es passiert heute schon, dass ich erst um 17:50 Uhr losrenne. Da fehlen 10 Minuten und das bei nicht vorhandenem Fahrradtraining, wo ich doch immer nur zu Fuß gehe.

Ich habe also schon jetzt ein schlechtes Gewissen deswegen, weil ich Rabenmutter die Frechheit besitze, bis 17:30 Uhr regulär zu arbeiten - wenn noch was Dringendes zu erledigen ist, halt auch ein paar Minuten länger.

Und das, obwohl selbst in dieser Kleinstadt sämtliche Geschäfte der Innenstadt bis mindestens 18:00 Uhr geöffnet haben.

Frauen in meiner Kleinstadt, die die grandiose Idee haben, Kinder in die Welt zu setzen und trotzdem zu geregelten Arbeitszeiten arbeiten wollen, haben sich nämlich offensichtlich an eine einfache Regel zu halten: Bist Du Frau, hast Du Kind, willst Du arbeiten, machst Du das von 9 bis 12. Danach, Du Frau, Du, kochst Du nämlich Essen und bespaßt das Kind. Und wenn Du schon Vollzeit arbeiten willst, such' Dir gefälligst einen Job von 8 bis 4 (nine to five ist auch schon sehr schwierig), und dann am besten einen, der Dir trotzdem ermöglicht, Freitag Mittag Feierabend zu machen. Und das natürlich in dieser Kleinstadt, weil jetzt hier noch mit Anfahrt aus den nächstgrößeren Städten, gar den Großstädten in der der Gegend zu rechnen, geht auf jeden Fall schon mal gar nicht. Klar soweit?

Frau Schröder hat derlei Probleme einfach nicht. Erstens gibt es eine ordentliche Betreuungsstruktur für den Bundestag, und wenn der nicht reicht, kommt halt eine Tagesmutter oder Nanny oder was auch immer ins Haus. Das kann sie sich nämlich leisten, die Frau Schröder.

Wenn wir jetzt nur eine Frau aus dem ominösen Mittelstand nehmen, und gar nicht weiter runtergehen, kann die sich naturgemäß so eine Nanny schon einmal nicht leisten. Und dank des Ehegattensplittings schon einmal gleich gar nicht.

Dem Leser wird es vielleicht aufgefallen sein und ich möchte das auch erklären: Ich rede hier ständig von der Frau mit Kind, nicht von der Familie mit Kind – ganz im Gegensatz zu Frau Schröder. Und auch ganz bewusst im Gegensatz dazu. Ich spreche aber dennoch nicht von der „Alleinerziehenden“, sondern vom ganz normalen Standard, hier, in diesem Land, in dieser Kleinstadt sowieso.

Die Last, Kinderbetreuung und Job unter einen Hut zu bekommen, trägt nämlich meistenteils die Frau allein – es sei denn, die Familie kann es sich leisten, eine Nanny zu engagieren. Natürlich gibt es positive Gegenbeispiele. Aber bestimmt nicht in der Kleinstadt. Und auch sonst sind diese Beispiele nicht mehr als das: Beispiele, wie’s laufen kann, aber meist nicht läuft. Wenn’s nicht so läuft, muss das aber auch nicht heißen, dass der Mann nun ein Fossil aus den 50ern ist, so geistig gesehen. Geh‘ doch mal los und erzähl‘ Deinem Chef, so als Mann: Ich arbeite jetzt mal Teilzeit, ich muss mich um die Familie kümmern – so denn die Wahl besteht. Da wäre denn nämlich noch die Kleinigkeit, dass Männer meistenteils mehr verdienen als die Frauen – und schon geht der möglicherweise vorhandene Mut den Bach runter. Essen und Leben geht eben vor „Wahlfreiheit“.

Das verkennt sie nämlich, die Frau Schröder: Die Gleichberechtigung ist da, so ihre Meinung, frau muss halt nur mit ihrem Freund oder Mann verhandeln, wie denn nun die Chose „Kinderbetreuung“ gedeichselt wird. Wir können und dürfen ja alles, in Deutschland. Und die arme junge Frau hat nun Angst davor, dass Frauen in die Karriere, in einen Job gezwungen werden, obwohl sie vielleicht wirklich sich lieber der Kindererziehung widmen möchten. Da reiche ich doch mal eine Dose Mitleid rüber. Ob für die Hausfrauen (die nach neuer Gesetzeslage, durchgebracht durch die Justizministerin, übrigens ziemlich mutig sind, diesen Gang zu gehen. Die Scheidungsrate ist, so hört man, ziemlich hoch. Und auch Zahnarztgattinnen - ich weiß, das ist Polemik, es geht nur ums Deutlichmachen - stehen dann ziemlich dämlich da, wenn sie den Kerl und die Kinder hochgepampert haben und der Kerl sich dann eine Frau mit strafferem Busen sucht.

Die perfekte Frauenfalle: Wir haben ja selbst dafür gekämpft, gleichberechtigt zu sein, also bitte. Jetzt haben wir nun ein Unterhaltsrecht, dass Frauen eigentlich dazu zwingt zu arbeiten, gleichzeitig aber ein Steuersystem, das die Hausfrauenehe fördert wie nichts Gutes, außerdem noch ein Familienministerin, die findet, die ollen Emanzen-Zicken sollen mal die Klappe halten (Polemik, ich weiß), dazu das Wort Rabenmutter, das es nur in der deutschen Sprache gibt und unglaublich gute Möglichkeiten, Kinder während der Arbeit in gute, vertrauensvolle Hände zu geben, ohne sich Sorgen machen zu müssen oder aufgrund der lustig-minimierten Zeitfenster in Panik zu geraten (das sollte jetzt Satire werden, funktioniert aber nicht, wenn man so wütend ist wie ich).

Ich gebe es ja zu: Es gibt feministische Standpunkte, die mich auch furchtbar nerven. Es gibt Lesarten, nach denen frau nämlich gar keine richtige Frau ist, wenn sie nicht mit aller Kraft die bestehenden Glasdecken durchbrechen, vulgo: Karriere machen will. Doch um diese Seite der Argumentationskette der Frau Schröder zu entkräften, mitsamt den ganzen Bodensatz, von wegen: Feminismus ist männerfeindlich und weiß der Geier was noch alles, muss ich mich gar nicht mehr bemühen. Dazu hat sich Antje Schrupp pointiert und selbsterklärend geäußert.

Der Punkt ist doch aber: Es geht nicht darum, Hausfrauen, die sich mit ihrer Aufgabe wohlfühlen, den Bauch zu tätscheln, nur, damit die dann nicht doch mal Zweifel bekommen. Ich habe nichts gegen diese Entscheidung, kann bestimmt auch Spaß machen, sein Leben so auszurichten, und ich würde auch nie auf die Idee kommen, Hausfrauen für blöd zu halten und schon gar nicht würde ich behaupten, dass Hausfrauen nicht feministisch sein können, um mal einem möglichen, völlig blödsinnigen, aber gängigem antifeministischem Argument entgegenzutreten (wir sind nämlich alle gleich, wir Feministinnen: Lesbisch. Undersexed. Grottenhässlich. Wollen nur „Salzstreuerinnen“ haben. Halten Hausfrauen für debil. Und müssen nur mal ordentlich … na Sie wissen schon.) Ehrlich gesagt ist mir diese Entscheidung sogar schnurzpiepenegal. Ich kann nämlich Kant. Oder, viel einfacher: „Jedem Tierchen sein Pläsierchen.“

Das Dumme ist nur: Das „Pläsierchen“ Hausfrau umzusetzen ist gar kein Problem – so lange die Scheidung nicht kommt, versteht sich. Das „Pläsierchen“ arbeiten gehen wollen, gerade ohne großartige Karriereambitionen, die einem dann diesen Spaß finanzieren könnten, also einfach nur einen guten Job machen wollen, hingegen schon.

„Danke, emanzipiert sind wir selber“ sagt die Frau Schröder. Der Unterschied ist: Sie kann sich die Umsetzung leisten, barrierefrei. Das Grausame (ja, es ist so drastisch) ist: Es ist ihr Job, mir die barrierefreie Umsetzung ebenfalls zu ermöglichen. Wird sie aber nicht tun. Sie hat ja schon, was ich will.

Und, um noch grausamer zu werden: Die Frau ist in meinem Alter, so in etwa. Genau wie die Alpha-Mädchen. Sind wir wirklich kollektiv dämlich, wir Frauen in meinem Alter? Und wieso macht diesen Job eigentlich keine Frau mehr, die weiß, was man in so einem Job zu tun hat? Kann auch ein Mann sein, Hauptsache, das Menschenkind versteht was von seinem Job.

Kann ich irgendwo Neuwahlen für den Posten der Frau Schröder beantragen?

Montag, 16. April 2012

Das nette Internet schlägt zurück

Einer der Gründe, warum ich keine Spiegel-Abonnentin mehr bin, war – neben dem Hauptgrund Zeit – die Tatsache, dass so mancher Autor das Prinzip „Internet“ bis heute nicht verstanden hat. Ich erinnere mich an einen Beitrag, der in der Beilage KulturSpiegel erschien. Die Überschrift hätte eigentlich lauten müssen: „Internet-Bashing – hübsch fürs Feuilleton aufgerüscht“, aber so was sagt man ja nicht im Feuilleton, deswegen sorgte die Überschrift leider nicht für eine bleibende Erinnerung.

Der Inhalt schon. Der Schreiberling (kann auch eine Frau gewesen sein, wegen der Sache mit der bleibenden Erinnerung vermag ich das heute nicht mehr zu sagen) vertrat eine Ansicht, die mir damals wie heute abenteuerlich vorkam und kommt. Das Internet ist nämlich, so die Meinung des Schreiberlings, gar gruselig im Vergleich zu Zeitungen und Fernsehen. Der User an sich kann sich nämlich abschotten gegen „anders“. Er liest halt nur noch die Sachen, die seine Meinung widerspiegeln, kommuniziert nur noch mit Leuten, die seine Meinung teilen und kommt mit „anders“ schlicht nicht mehr in Berührung.

Bei den Medien Fernsehen und Zeitung kommt er, so die Meinung des Schreiberlings, aber an „anders“ gar nicht vorbei. Und wenn’s bei der Zeitung nur die Überschrift ist, die ein „anderes“ Thema außerhalb der Welt des Users, pardon, in dem Fall: des Lesers, berührt, oder ob sich die Couch-Kartoffel dann wirklich die Tagesschau bis zum Ende anschaut, weil man das als Fernsehkonsument halt so macht: Diese nicht-digitalen Medien zwingen Menschen angeblich dazu, sich auch mit anderen Themen auseinanderzusetzen, als die, die einem gefallen. So der Schreiberling.

Es gibt Argumentationsketten, die mich wirklich sprachlos machen. Die des Schreiberlings ist so eine. Das kommt nicht oft vor und es ist mir auch ein wenig peinlich, aber ich erhole mich wieder und zicke dann halt beim nächsten Artikel ein wenig, und der argumentiert so ähnlich. Versprochen.

Ende Februar nämlich schlug Spiegel online in die gleiche Kerbe. Damit das auch rockt (ja, werter Leser, hier sind Sie leider nicht im Feuilleton gelandet), wurde der Artikel dann auch gleich „Debattenbeitrag“ genannt. Deprimierend: Der Autor ist im gleichen Jahr geboren wie ich.

Immerhin: Fernsehen ist auch doof, so die Quintessenz. Auch einseitig, dafür „gemein“. Das Internet, natürlich auch einseitig, ist nach der Denkweise „nett“ und lässt uns in der Seifenblase der Banalitäten schweben. Und das ist natürlich auch nicht gut, weil die wichtigen Themen, leider ohne Seifenblase, neben uns ungebremst ins Nichts stürzen.

Es ist ja nicht so, dass ich nicht denken würde, wichtige Themen würden viel zu oft ungebremst ins Nichts stürzen. Daran nun aber dem Internet die Schuld in die Schuhe zu schieben, ist schlicht armselig. Als hätte Bundespräsident Weizsäcker nicht auch Dreck am Stecken gehabt, nur mal als Beispiel. Das Thema fiel damals auch ins Nichts, nicht des Internets, sondern der Maulfaulheit der Journalisten wegen. Als wäre es nicht möglich, sich völlig unpolitisch, vielleicht noch wählend, aber dann ohne Sinn und Verstand, zugedröhnt mit Dschungelcamps und Austausch-Muttis durchs Leben zu schlagen, ohne die Verantwortung zu übernehmen, deutscher Bürger zu sein, der die Privilegien, die er hat und die in jüngster Zeit nicht eben durch großen Nachwuchs sondern dadurch auffallen, dass sie immer weniger werden, dass er also diese Privilegien verteidigt, sich einmischt, Stellung bezieht und wenigstens ansatzweise informiert ist. Und als Zeitung reicht für diese Menschen ja ohnehin das Ding mit den großen Buchstaben aus.

Aber hey, ich bin nicht ganz fair: Der Autor beschränkt das Internet auf die sozialen Netzwerke, so scheint‘s. Der eigentliche Gegenpart wäre also eigentlich der Stammtisch. Da, wo früher ganz natürlich Politiker, Akademiker, Landwirte, Prolls und Handwerker zusammengesessen haben und sich in epischer Breite über die Situation der Bauern in Burkina Faso unterhalten haben. Blödsinn? Stimmt. Die „Filter Bubble“, die der Autor in seinem gleichnamigen Buch beschwört, ist hauptsächlich in Texten zu finden, die über so Dinge wie „Filter Bubble“ schreiben.

Das Internet ist genauso gut dazu geeignet, Menschen blöd oder informiert zu machen, wie andere Medien auch. Es ist zwar besser, weil es viel leichter ist, Informationen publik zu machen, der Kostenfrage wegen, schlechter oder gar „netter“ jedoch ist das Internet ganz bestimmt nicht. „Nett“ ist nämlich auch eine Pizza. Das Internet bietet Nettigkeiten, Frotzeleien, Unterhaltung – aber auch mehr knallharte Informationen, als Phoenix je ausstrahlen könnte. Der Mensch, der das Medium nutzt, muss halt nur danach suchen. Finde ich übrigens viel spannender als weiterzappen. Aber das nur am Rande.

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Tja, was neues ist das...
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Oliver (Gast) - 24. Okt, 15:27
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Stimmt. Ich war auch...
Stimmt. Ich war auch ziemlich entgeistert. Habe 'ne...
Trojaner2304 (Gast) - 26. Apr, 09:09
1984
Ich finde das "Ministerium für Liebe" - ebenfalls Orwell...
DonJuergen - 25. Apr, 18:51
Das passt doch sehr gut!
Das passt doch sehr gut!
DantesMuse - 19. Apr, 10:41
Ich kann da als kinderlose...
Ich kann da als kinderlose Frau nicht mitreden. Aber...
Ani72 - 19. Apr, 08:35
In der Heute Show wurde...
In der Heute Show wurde ein schöner Plakat - Schnappschuss...
Ani72 - 18. Apr, 22:35
Schön, wenn's so wäre....
Schön, wenn's so wäre. Ich Niedersächsin habe aber...
DantesMuse - 18. Apr, 21:12