Montag, 20. Februar 2012

Der Unterschied zwischen Karneval und Fasching oder: Ich muss da jetzt durch!

Ich gebe es ganz offen zu: Ich kann Karneval nicht leiden. Der geneigte Leser möge mich nicht falsch verstehen: Ich verkleide mich sehr gerne, was der Hauptgrund dafür sein dürfte, warum ich als Teenie recht häufig wie ein Grufti aussah, ohne wirklich einer zu sein. Und auch heute noch kommt es vor, dass ich, gerade für eine Kleinstadt, doch recht unkonform daherkomme. Dafür reicht mir heute allerdings eine Kleinigkeit, wie zum Beispiel eine königsblaue Samtschirmmütze mit Schleife an der Seite, eine Fleece-Jacke mit Zipfelmütze oder eine schwarze Jeans-Hose mit ordentlich Schnallen und Reißverschlüssen dran.

Karneval ist für mich allerdings die Übersetzung von »Kölle alaaf« und »Mainz, wie es singt und lacht«, meine ersten medialen Berührungen mit dem Thema. Mein Vater hat sich diese seltsamen, unglaublich unwitzigen Sendungen mit ihrem ständigen »Tädäh, tädäh, tädäh« nämlich jedes Jahr in epischer Breite angedeihen lassen - und mir und meiner Mutter gleich mit. Und ich, als wirklich kleine Kleinstadtelse, wunderte mich über die Maßen darüber, dass diese Menschen da im Fernsehen diese komischen Hüte aufhatten und irgendwie so aussahen, als hätten sie alles andere als Spaß, obwohl jeder wie blöd klatschte und auf Kommando lachte.

Etwas Anderes war der Fasching im Kindergarten. Da gab‘s immer lustige Sachen zu essen, Luftballons und Luftschlangen, der ganze Tag war irgendwie viel schöner als der normale Kindergartentag - und dann auch noch in Verkleidung. Das hat mir gefallen, hatte aber für mich mit Karneval nichts zu tun - die Leute im Fernsehen waren ja schließlich gar nicht so lustig verkleidet, und die komischen Hüte konnten mir den Bogen zum Fasching im Kindergarten so gar nicht spannen.

Heute weiß ich zwar, dass Fasching und Karneval im Grunde zwei Seiten derselben Medaille sind, aber nach wie vor kriege ich die Typen mit den komischen Hüten nicht zusammen mit der lustigen Verkleideaktion an Fasching. Und heute, als gestandene Niedersächsin über 30, käme ich auch nie im Leben auf die Idee, mich im Februar zu verkleiden, nur weil da im Kalender Rosenmontag steht - von kleinen Accessoires wie dem blauen Hut mal abgesehen, aber derlei Neckereien haben ja das ganze Jahr Saison.

Doch in diesem Jahr war mein Knirps so weit: Heute, Rosenmontag 2012, erlebt er sein erstes Kinderfasching. Wochen vorher schon begannen die Vorbereitungen. Schnell, ungefähr nach drei Minuten, war klar, dass der Knirps am Rosenmontag zum Piraten werden wird. Genau so schnell war klar, dass ein gekauftes Kostüm nicht in Frage kommt. Die meisten Dinger, die angeboten werden, landen bei mir im Geiste nämlich sofort in der Kategorie »Karneval«, weil derlei Kostüme zwar unter Umständen recht teuer sind, dafür aber umso billiger aussehen. Und ein Pirat vom Grabbeltisch verletzt mich einfach in meiner Verkleidungsehre.

Ein komplett selbstgenähtes Kostüm kam auch nicht in Betracht, eine funktionierende Nähmaschine ist nicht greifbar, und da ich schon seit Jahren an meiner ersten Gewandung per Hand nähe (was aber auch daran liegt, dass die Schwangerschaft dazwischen kam und die schon zugeschnittenen, teilweise fertig umsäumten Teile zu einer Frau passen, die eine Konfektionsgröße dünner als ich ist), war auch diese Option nicht wirklich realistisch.

Also erst einmal den Bestand checken: Ich habe eine ganze Bettschublade voller Stoffbahnen, -reste, Leder, Bänder, komischem Glitzer-Fissel-Kram und anderem Gedöhns, vieles während meiner kurzen Karriere als Theaterfundus-Extremshopperin erstanden, einiges auf der Open Hair, einer Friseurmesse, die ohne ihre Tand-Stände unendlich langweilig wäre, und einiges von Flohmärkten, Grabbeltischen oder anderen Ressourcen der modernen Verkleidungsschatzsuche. Dat Zeuch ist also schon eine andere Hausnummer, als die Plastikkostüme, die auf dem viel gerühmten freien Markt zu haben sind. Damit war die Schärpe also schon mal gesichert, das Kopftuch auch. Eine passende Hose in piratischem grau-blau fischte ich aus des Knirpsens Fundus, eine Schere sorgte für das angemessene Gezipfel am Ende der Hosenbeine - nicht zu fein, versteht sich.

Die obligatorische Augenklappe verkaufte mir eine nette Apothekerin für 1,43 Euro, nicht ohne den Knirps mit Traubenzucker zu versorgen. (Ein Phänomen: Der Knirps verbindet Apotheken ausschließlich mit Traubenzucker. Das geht so weit, dass er einfach in eine Apotheke rennt, auch wenn ich da gar nicht hin will, sich an den Tresen stellt und »Darf ich ein Traubenzucker, bitte?« fragt - und es auch bekommt, hat ja noch den Welpenbonus.)

Das Oberteil war da schon etwas schwieriger. Die Idealvorstellung war ein Hemd, am liebsten naturweiß, am liebsten zum Schnüren. Aber unter keinen Umständen mit normalem Hemdkragen. Für mich der Zeitpunkt, einmal bei Leonardo Cabone vorbeizuschauen. Da gibt‘s schließlich Fantasy-Klamotten für relativ kleines Geld (ja, Fantasy-Klamotten, auch wenn er von »Historical Clothing« spricht). Doch ein Blick auf die Kinderhemden reichte aus, um die Idee flugs wieder zu verwerfen: 25 Euro für ein strahlend weißes Hemd, ohne irgendein Rüschengedöhns am Armabschluss, mit einem mit schwarzem Band eingerahmten, offenen Kragen, der die halbe Brust sehen lässt, woran auch das schwarze Band, mit dem das Ding zu schließen ist, nichts ändert? Nö, Leo.

Also ab zum nächsten Shop. Tauschticket, in diesem Fall. Ich habe ja auch noch ein paar Tickets auf Halde, und vielleicht ... ja: Ich hatte Glück. Ein weißes Hemd ohne Krawattenkragen, ein wenig den Trachtenhemden nachempfunden, aber ohne so Schnökereien wie einem Edelweiß oder anderem unpassenden Schnick-Schnack drauf: Ertauscht!

Zum Glück bin ich Besitzerin eines Nahtauftrenners, der Kragen, Bund, Armbündchen und Knopfleiste ganz hervorragend ihrer Nähte berauben konnte. Tat mir ja irgendwie leid um das schöne Hemd, aber für einen guten Piraten muss man Opfer bringen können!

Eigentlich hätte der Knirps durchaus so losgehen können, aber die entscheidenden Zutaten für den wirklich perfekten Piraten fehlten noch: Ein Säbel, damit er ordentlich piratenmäßig herumfuchteln kann, und ein Make-up, dass wirklich keinen Zweifel daran lässt, dass wir es hier mit einem ausgemachten Piraten zu tun haben.

Die Suche nach einem Säbel in meiner Kleinstadt erwies sich als äußerst unfruchtbar, schließlich misst der Knirps nur 90 Zentimeter, die Läden in meiner Kleinstadt scheinen allerdings zu glauben, dass Knirpse eigentlich Riesen sind - oder dass sich nur überdimensionale Säbel verkaufen lassen. Die paar Säbel, die ich finden konnte, waren nämlich alle in etwas so groß wie mein Knirps, also kein Option.

Da konnte mir allerdings ebay weiterhelfen: Ein Säbelset für 2,49 Euro und erträglichen Versandkosten war ganz schnell meins, auch wenn eine Augenklappe dabei war, die ich gar nicht mehr benötigte (und so auch nicht verwendet hätte: Auf der Klappe muss natürlich ein Piratenflaggensymbol drauf sein - aber dafür ist das Gummi dann weiß. Weiß! Super!), und drei Goldstücke, die genau wie der Säbel, der schon heute morgen so locker auf seinem Schaft saß, dass ich nicht wirklich glaube, dass er diesen Tag übersteht, das extreme Wohlwollen meines Knirpses errangen. Passt also.

Fürs Make-up war ein Besuch in der Bücherei nötig: Flugs drei Schminkbücher ausgeliehen, in denen was Brauchbares zu finden war, zu Hause das Beste ausgewählt - und da ich ja ein Schminkstift-Set zu Hause habe (ja, ich verkleide mich auch mal mit seltsamen Make-up, ich mache so was dann aber zu Halloween, gestandene, erwachsene Niedersächsin, die ich bin), kann‘s doch jetzt losgehen, oder?

Nein. Denn dieses wunderbare Make-up-Beispiel hatte nicht nur die buschigen Augenbrauen, einen Bart und eine Narbe zu bieten, sondern auch einen sehr glaubwürdigen Drei-Tage-Bart. Dafür braucht es allerdings einen groben Make-up-Schwamm. Der Leser möge mir glauben: Ich war in jedem nur möglichen Laden meiner Kleinstadt, um so einen Schwamm zu ergattern - keine Chance. Da erst ist mir überhaupt aufgefallen, dass es relativ schwer ist in dieser Kleinstadt, sich mit nötigen Make-up-Utensilien auszustatten. Nirgends war auch nur ein Make-up-Schwämmchen in Sicht, nicht ein Pinsel, nothing.

Ich hoffe ja immer noch, dass ich einfach zu blind bin, der Zweifel nagt an dieser Hoffnung allerdings sehr stark. Da sieht der geneigte Leser einmal, dass ich zu Zeiten, als ich mich mit den entsprechenden Make-up-Pads, kleinen Pinseln, großen Pinseln, feinen Pinseln oder Eye-shadow-Pinseln ausstattete, nicht unbedingt der Maxime »Act local« verschrieben hatte - und außerdem, dass ich meine Make-up-Gerätschaften nicht sonderlich oft verwende.

Also wieder zu ebay - nach einem unzufriedenen Besuch bei mehreren Theater-make-up-Shops, die diesen Schwamm zwar für schlappe 1,80 Euro im Angebot hatten, aber eine Mindestbestellsumme von 20,00 Euro erwarteten, von den 6,90 Euro Versand ganz zu schweigen. Und eBay half auch hier: Gleich drei Schwämme (grob, fein und noch feiner) für drei Euro, schließlich ist es sicher nicht falsch, sich auch mit feinen Schwämmen einzudecken, in Anbetracht des Make-up-Schwamm-Defizits in meiner Kleinstadt.

Nun also gestern die Generalprobe - die in die Hose ging (glücklicherweise, glaubt man dem Aberglauben). Der Knirps wollte zwar schon wie ein Pirat geschminkt sein, sah aber gar nicht ein, wozu er dafür den Kopf stillhalten soll. Der Drei-Tage-Bart war viel zu üppig geraten, die Augenbrauen waren nicht wüst, sondern traurig verschmiert, und der Oberlippenbart sah fast so aus, als hätte der Knirps sich selbst geschminkt.

Mein Bammel also, den Knirps zum ordentlichen Piraten zu machen, war entsprechend groß. Am Montag morgen? Mit dem Trödelhannes? Und erst noch frühstücken? Und ein wenig inhalieren, um den Husten, den wir beide seit ein paar Tagen wieder haben, in seine Schranken zu weisen?

Doch was soll ich sagen: Das Ergebnis war genial. Zwar habe ich an diesem Montag Morgen den Oberlippenbart noch drei bis fünf Mal an meiner Oberlippe getestet - und so ein geschminkter Piratenoberlippenbart an einer über 30-jährigen Frau im Business-Look sieht unglaublich dämlich aus -, zwar ist der Knirps umhergesprungen wie ein Flummi, weil er gehörig aufgeregt war: Stillgehalten hat er plötzlich dennoch in den entscheidenden Momenten - auch wenn er nach jeder kleinen Schminkaktion erst einmal zum Spiegel lief, um das Ergebnis zu begutachten. Im Ergebnis kann ich sagen: Ja, so kann man aussehen zum ersten Fasching.

Zum Glück habe ich jetzt ein Jahr Zeit, um mich zu erholen.

Mittwoch, 8. Februar 2012

Internet - ganz ohne Daten?

Ständig höre und lese ich davon, wie böse doch die Krake Facebook ist. Aktuell ist die Chronik der Grund dafür, warum den Menschen gesagt wird, dass sie ihre Daten nicht preisgeben sollen. Der geneigte Leser möge mich nicht falsch verstehen: Ich bin sicher nicht dafür, tumb bei Facebook alles reinzustellen, was einem so einfällt, schon gar nicht dann, wenn Informationen oder Bilder dabei sind, die man wirklich nur einem ganz kleinen Kreis an Menschen zeigen möchte. Das gilt auch dann, wenn man sich wirklich abgeschottet hat - schließlich haben die meisten Menschen durchaus einen wesentlich größeren Facebook- als realen Freundeskreis, der das, was gepostet wird, überdies auch jederzeit teilen und einem viel größeren Kreis zugänglich machen kann.

Deswegen jedoch Facebook oder gar die Chronik anzugreifen, scheint mir nicht der richtige Weg. Ja, Facebook verdient Geld mit meinen Daten. Ja, ich mache mich mit jedem Eintrag gläserner, egal, ob ich interessante Musik, Artikel oder Bilder verlinke, ob ich mich über die fiese Kälte aufrege, anzeige, dass ich an einer Veranstaltung teilnehme oder kurz mal mitteile, was heute auf meinem Herd köchelt. Ich habe aber kein Problem mit dieser Farbe des Glases.

Hingegen käme ich nicht auf die Idee, etwaige Probleme in Arbeit, Beziehung oder Ähnlichem darzustellen, wenn ich nicht möchte, dass jeder Hans und Franz davon weiß. Für mich eine völlig logische Schlussfolgerung, da ich weiß, dass das Internet ein öffentlicher Raum ist, und da ich außerdem weiß, dass Facebook zu diesem öffentlichen Raum gehört. Ich verstehe nicht, warum erwachsene, intelligente Menschen diese Tatsache genau dann ausblenden, wenn sie Dinge posten, die ich ganz sicher nicht wissen möchte, da ich höchstens zu ihrem entfernten Bekanntenkreis gehöre, sich dann aber gleichzeitig über die Datenkrake aufregen - oder eben über die Chronik, die nun endlich ein wenig ermöglicht, die Posts noch einmal nach interessanten Einträgen zu durchstöbern.

Vielleicht bin ich ja auch nur ein wenig zu altmodisch, schließlich blogge ich ja schon ein paar Jahre, wenn auch sträflich nachlässig und selten, und ich habe Facebook immer schon als eine andere Art des Bloggens empfunden:

Für mich ist Facebook die Möglichkeit, sich einem begrenzten Publikum mitzuteilen, durchaus auch mal etwas flapsiger als in einem Blog daherzukommen, und Interessantes aus dem Netz zu verlinken, ohne selbst einen mehr oder weniger langen Kommentar dazu zu verfassen, wie hier in den meisten Fällen. Die Tatsache, dass sich in diesem begrenzten Publikum durchaus reale Freunde befinden, mit denen man per Chat-Funktion oder bei einzelnen Einträgen dann auch noch mal schick schnacken kann, sorgt dafür, dass es mir bei Facebook momentan gefällt, trotz der durchaus negativen Seiten des Unternehmens und seines Umgangs mit Teilnehmern.

Da waren Antje Schrupps Gedanken zum Internet-Schmarotzertum doch wirklich sehr erfrischend. Das ist es nämlich: Jeder möchte etwas lesen, erfahren, sehen oder hören im Netz. Wenn‘s niemanden mehr gäbe, der etwas erzählen, erklären, video- oder podcasten wollte im Netz, ginge das aber gar nicht mehr. Anders herum würde auf Dauer niemand etwas publizieren, wenn er merkt, dass es niemanden gibt, den es interessiert.

Für Facebook, als Beispiel, heißt das: Wenn keiner der Freunde mehr etwas an die Pinnwand oder in die Chronik schreibt, kommentiert und schnackt, lohnt es sich sehr schnell nicht mehr, dort Mitglied zu sein. Wozu irgendwo reinschauen, wo sich nie etwas tut? Wozu irgendwo reinschreiben, wenn‘s keinen interessiert?

Schmarotzer und Produzenten sind also durchaus aufeinander angewiesen. Nur vergessen sollten sie das nicht.

Samstag, 28. Januar 2012

Nö, Bild

Ich möchte am 23. Juni keine Gratis-Ausgabe, nur, damit Du mal wieder in aller Munde bist. Deswegen hast Du bald Post. Ein Aufkleber auf dem Briefkasten reicht ja nicht. Zum Glück habe ich schon jetzt von der Aktion gehört. Den Schock, den ich ohne dieses Wissen am 23. Juni erlitten hätte, mag ich mir gar nicht ausmalen.

Donnerstag, 26. Januar 2012

Lobbyarbeit lohnt sich

Heimlich, still und leise unterzeichnete eine Delegation der EU das ACTA-Abkommen, berichtet netzpolitik.org. Es bleibt zu hoffen, dass Martin Schulz, der neue Präsident des Europäischen Parlaments, wirklich so bissig bleibt, wie er angekündigt hat – und dass die Abgeordneten seinem Beispiel folgen und der Unterzeichnung keine Legitimation hinterherwerfen.

Mittwoch, 11. Januar 2012

Das Packerl-Projekt - funktioniert!

Mein Lieblingsgeräusch des Jahres 2012, das sich ob des noch nicht sehr weit fortgeschrittenen Alters dieses Jahres zugebenermaßen noch wandeln kann, ist das Zischen, das beim Öffnen eines Weckglases entsteht - die unausweisliche Assoziation mit einem deutschen Komiker mit großer Nase, die sich einstellt, wenn der Nippel des Gummirings erwähnt wird, lasse ich hier nur am Rande mitklingen.

Meine eingekochte Sauce Bolognese - die Entstehungsgeschichte wird hier in epischer Breite beschrieben - musste nun probiert werden. Nach all den Monaten der Recherche, der Erwägungen und der Pläneschmiederei ist dieser Moment zwar nicht sakral, aber doch etwas völlig Anderes als das Öffnen eines Glases, dessen Fertigsaucen-Inhalt eine Geschmacksverstärker-Überdosis verspricht. Insofern ist das Zischen mehr als angemessen.

Ich sage es gleich: Ich bin begeistert. Ein wenig nagte an mir der Zweifel: Wird die Sauce die Einkochprozedur ohne geschmackliche Verluste überstehen? Zwar hat es so eine Sauce Bolognese an sich - nach welchem »Originalrezept« auch immer -, dass sie lange köcheln muss, um richtig lecker zu werden - je länger, desto besser, in der verwendeten Rezeptvariante fünf Stunden - doch ist »Köcheln« irgendwie schon etwas Anderes als »Einkochen«.

Es hat der Sauce kein bisschen geschadet. Drei Stunden köchelte sie auf dem Herd vor sich hin, wurde hernach in Gläser verbannt, die sich im Wasserbad im Einkochtopf der Einkochtemperatur nähern durften, um schlussendlich 75 Minuten bei 100 Grad aushalten zu müssen. Et voilá: Prima Packerl. Nach dem »Zisch« ab in den Topf, ein wenig Hühnerbrühe dazu, um das Ganze ein wenig aufzulockern - denn zu dünn wird die Sauce bei diesem Verfahren wahrlich nicht - nebenbei eine Portion Spaghetti gekocht und nach einer Viertelstunde steht das Essen auf dem Tisch.

Schneller können‘s die Packerl auch nicht - jedenfalls nicht in meiner mikrowellenfreien Küche. P-e-r-f-e-k-t.

Mein Tick und ich

Ich habe einen Tick. Nun, genaugenommen habe ich eine ganze Menge davon, aber dieser eine ist schon recht bemerkenswert, gar derart außergewöhnlich, dass es mir schwerfällt, ihn hier darzulegen.

Beschreibt nämlich jemand eine Verletzung, spricht er beispielsweise davon, sich in den Daumen geschnitten zu haben, wird mein eigener Daumen taub – sofort, unwiderruflich und unabänderbar. Von daher rühren auch die Schwierigkeiten, von diesem Tick hier zu berichten, denn – der geneigte Leser mag es ahnen – mein Daumen ist taub. Mein Tick ist im Übrigen wohl organisiert: Wird aus dem Bericht nicht klar, welcher der beiden Daumen gemeint sein könnte, wird der linke Daumen taub, offensichtlich bin ich Linkshänderin aus Überzeugung.

Doch als wären die Auswirkungen dieses Ticks nicht schlimm genug, ist er immer wieder Ziel von Hohn und Spott, gar des gröbsten Unfugs, will ich meinen. Ja, ich kenne Leute, die diesen Tick derart witzig finden, dass sie erlittene, erfahrene oder erfundene Verletzungen nicht nur mit Vorliebe in meiner Gegenwart erwähnen, sondern - je nach Fabuliervermögen – ausschmücken, als hätten sie fast eine komplette Extremität verloren. Und da dieser Tick Ausschmückungen nicht abgeneigt ist, verstärkt sich das taube Gefühl, je nach Genauigkeit und Tiefe der Beschreibung – und hält auch entsprechend länger an.

Glücklicherweise merke ich auch hier das Alter. Nicht meines allerdings, sondern dass der Freunde, die mit den Jahren wohl doch reifer werden, und diesen Blödsinn mit der Würde ihres Alters nicht mehr vereinbaren können. Es könnte allerdings auch sein, dass diese Streiche auf Dauer schlicht langweilig werden.

Sei es, wie’s sei, die Taubheitsattacken nehmen in dem Maße ab, in dem ich von Horrorgeschichten verschont werde. Nun ja. Sie nahmen ab. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich auf die Idee kam, für einen Fachanwalt für Medizin zu arbeiten. Mein Knie ist schon seit Stunden taub, der nächste Fall verspricht die Thematik einer Bauch-OP. Ich muss schon sagen. Er macht mir ganz schön zu schaffen, dieser Tick.

Spekulieren mit dem Eigenheim?

Eigenheimbesitzer hätten Zehntausende von Dollar sparen können, wenn sie im letzten Jahrzehnt variabel verzinsliche Hypothekendarlehen statt festverzinslicher Darlehen aufgenommen hätten.

So Notenbankchef Alan Greenspan in einer Rede 2004. Nachzulesen in Joseph Stiglitz' Im freien Fall.

Und da wundert man sich noch über Immobilienblasen. Ich frage mich ernsthaft, ob dem Mann nicht klar war, dass es einem Hausbesitzer nicht wirklich hilft, kurzfristig Geld für Zinsen zu sparen, wenn die sehr große Wahrscheinlichkeit besteht, dass er diese kurzfristige Ersparnis mit wesentlich höheren Kreditraten bei der nächsten Umschuldung bezahlen muss, die er sich dann vielleicht nicht mehr leisten kann.

Ich will bei der Fragestellung nicht vergessen, dass er selbst sicher nicht das geringste Problem hätte, statt beispielsweise 500 Dollar auch mal 1000 Dollar monatlichen Abtrag zu bewältigen.

Ich bin ratlos: War er nun zu blöd für seinen Job oder zu weit weg von Otto Normalverbraucher? Und wie würde er das heute bewerten, in seinem stillen Kämmerlein, die Augen auf sein Spiegelbild gerichtet?

Limit erreicht

Man sollte meinen, eine Begrenzung auf 300 Feeds in der Freewareversion macht einen Feedreader nicht unattraktiver. Wer braucht schon über 300 Feeds? Und wer doch so viele ansammelt, wie ich zum Beispiel, hat alle 300 Feeds einen guten Grund, mal wieder aufzuräumen. Ich bin dann mal beschäftigt.

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Tja, was neues ist das...
Tja, was neues ist das leider nicht. Vor allem, was...
Oliver (Gast) - 24. Okt, 15:27
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DonJuergen - 13. Sep, 18:14
Stimmt. Ich war auch...
Stimmt. Ich war auch ziemlich entgeistert. Habe 'ne...
Trojaner2304 (Gast) - 26. Apr, 09:09
1984
Ich finde das "Ministerium für Liebe" - ebenfalls Orwell...
DonJuergen - 25. Apr, 18:51
Das passt doch sehr gut!
Das passt doch sehr gut!
DantesMuse - 19. Apr, 10:41
Ich kann da als kinderlose...
Ich kann da als kinderlose Frau nicht mitreden. Aber...
Ani72 - 19. Apr, 08:35
In der Heute Show wurde...
In der Heute Show wurde ein schöner Plakat - Schnappschuss...
Ani72 - 18. Apr, 22:35
Schön, wenn's so wäre....
Schön, wenn's so wäre. Ich Niedersächsin habe aber...
DantesMuse - 18. Apr, 21:12