Samstag, 5. Dezember 2009

Homo informaticus?

Der Arbeitsalltag im Büro ist geprägt von Ablenkungen: Oh, da sind neue E-Mails, die muss ich gleich mal lesen und bearbeiten. Oh, neue RSS-Feeds, die wollen gecheckt werden. Oh, da müsste ich kurz anrufen, das mache ich doch mal gleich. Meistens reagiert man, wird aus seiner Aufgabe gerissen, und kann eben genau diese am Ende des Tages leider so gar nicht fertigstellen.

Hilfe naht aus dem Feuilleton: Der Herr Schirrmacher malt nämlich in seinem neuen Buch das Schreckensbild Informationsgesellschaft an die Wand - oder so. Nein, ich habe das Buch noch nicht gelesen, konnte aber einem Interview, das er gegeben hat, entnehmen, dass er ... nun, sagen wir mal, die ständige Erreichbarkeit anprangert. Die Bereitschaft der Menschen, sofort auf ein »Ping« des E-Mail-Programms freudig - oder genervt - einzugehen, die Bereitschaft, immer und ständig ans Telefon oder Handy zu springen (es könnte ja wichtig sein), schlicht, die Bereitschaft, jede Information aufzunehmen und immer erreichbar zu sein. Selbst, wenn man nicht erreichbar sei, so meinte er sinngemäß, läuft der Informationsschub weiter, und das hat Homo informaticus immer im Hinterkopf.

Nun jaaaaa, muss ich da erwidern, und - ganz kleinstädtisch: Nee, is' ja richtig. ABER: Mensch ist immer noch mehr als die Summe seiner Gene, seiner wie auch immer gearteten, wie auch immer gewerteten, meiner Meinung nach zum großen Teil angedichteten Steinzeit-Vergangenheit. Ich sach nur Epigenetik. Das heißt: Der Mensch kann sich anpassen, gerade auch deswegen, weil's seine Gene können. Mein Fazit: Bei der uns überfordernden Informationsflut ist es nicht anders als mit dem angeblichen Recht des Stärkeren, der angeblich aus biologischer Sicht nachvollziehbaren Eifersucht oder dem angeblich logisch erklärbarem Patriarchat: Leudz, wir können uns anpassen - und zwar sofort, nicht erst nach Jahrtausenden.

Organisation ist das halbe Leben

Ich hatte vor, diesen Eintrag mit »Und was ich noch sagen wollte ...« zu überschreiben. Der geplante Zwischenruf geriet allerdings etwas aus dem Ruder: Anderthalb Papyrus-Seiten sind es geworden - da kann man mal sehen, wie wichtig ich das Thema finde. (Ganz Offtopic: Papyrus ist übrigens ein extrem empfehlenswertes Textverarbeitungsprogramm, gerade für Schreiberlinge). Interessant. Seeeeehr interessant. Klar, dass dieser Blogeintrag geteilt werden muss. Hier also Teil eins:

Zeitmanagement mit Outlook funktioniert richtig gut - nicht wegen Outlook, btw. Den Tag mit eine Aufgabensichtung zu beginnen und dann zu sehen: Was will ich heute auf jeden Fall erledigt wissen? Und was danach? Und was ... funktioniert. So gut, dass sich trotz vieler, vieler Aufgaben, die natürlich nicht alle an einem Tag erledigt werden können, das Gefühl einstellt: Du hast ja richtig was geschafft! Denn auch Dinge, die sonst eigentlich nie erledigt werden, aber mal angepackt werden müssten, kommen zum Zuge: Daten einpflegen, Posteingang entrümpeln, über Verbesserungen in der Organisation ernsthaft nachdenken, diese oder jene Kleinigkeit erledigen, diese oder jene Verbesserung umsetzen - was auch immer.

Gerade mal seit zwei Tagen arbeite ich so - und bin restlos begeistert. Wie's geht? Ganz einfach: Bevor man mit der Arbeit beginnt, schreibt man alle Aufgaben auf, die zu erledigen sind - und alle meint dabei alle (zumindest alle, die während des Aufschreibens im Gedächtnis aufblitzen).

Dann nummeriert man die ganze Chose: Was möchte/muss ich heute auf jeden Fall erledigt wissen, auch wenn der Himmel über mir einstürzt? Das ist dann die 1. Und danach? Das ist dann die 2. Die für den Tag unwichtigen Aufgaben bekommen, damit's nicht zu lang dauert, auch flugs mal 'ne 500 verpasst oder so. Wichtig dabei ist, auch eigentlich wichtige, aber nicht dringende Aufgaben nach vorne zu nehmen. Nicht alle, versteht sich, der ganze Tag steht ja nicht für Organisation oder Strukturierung zur Verfügung, aber mindestens eine, wenn nicht gerade eine absolute Stressphase ansteht.

Und siehe da: Das Wichtigste ist erledigt, und für - ein wenig - Einpflegen, Strukturieren und Organisieren für zukünftige Arbeitserleichterung ist auch noch Zeit. Toll, geradezu nachahmenswert!

Freitag, 4. Dezember 2009

Fricher Fich auf'm Tich - oder nich?

Ich mag ja Fisch. Sehr sogar. Doch die Frage, welcher Fisch aus ökologischer Sicht vertretbar ist und welcher nicht, ist für mich meist so schwer zu beantworten, dass Fisch bei mir vergleichsweise selten auf den Tisch kommt - sehr zum Missfallen meines Gaumens. Der muss sich nämlich meist - mit zugegeben sehr köstlichen - Fischbrötchen des Fischhändlers meines Vertrauens auf dem hiesigen Wochenmarkt begnügen.

Da ich nämlich seit einiger Zeit keinen aktuellen »Den-darfst-du-essen-Fischratgeber« mit mir herumtrage, muss ich mich auf mein zwischenzeitlich sehr lückenhaftes Gedächtnis verlassen. Und in dem ist gespeichert: Hering geht, Forelle und Makrele auch - von Ausnahmen abgesehen. Natürlich können diese drei Fischsorten auch weiß Gott anders zubereitet werden, mein Rezepthorizont ist in dieser Hinsicht allerdings noch sehr ausbaufähig, um nicht zu sagen, (fast) nicht vorhanden.*

Nun ist der neue Fischratgeber von Greenpeace da, glücklicherweise auch im Taschenformat. Flugs ausgedruckt und ins Dokumenten-Portemonnaie gesteckt, wird sich mein Speiseplan hoffentlich bald ein wenig fischlastiger gestalten - ist doch auf mal ein Vorsatz fürs nächste Jahr, oder?


*Immerhin gibt es hin und wieder Omas Heringssalat, eines der wenigen Rezepte meiner Oma, die meine Mutter archiviert hat - sehr lecker, übrigens.

Mittwoch, 25. November 2009

Murphy muss nicht immer schlecht sein

Klarer Fall von Murphys Law: Entweder es ist gar nichts los. Oder alles. Nicht, dass in den letzten 15 Monaten nichts los gewesen wäre, denn so ein Knirps macht wirklich eine ganze Menge los. Ähm. Habe ich schon erwähnt, dass der Kleine fast ganz alleine stehen kann? *Mamamodus aus*

Kaum werde ich wieder im Blog - etwas - aktiver, kommt schon die Riesenchance, die richtig tolle Aufgabe, so richtig was zum Rein- und Niederknien. Ganz nebenbei schwirrt mir noch eine Romanidee im Kopf herum, von der ich immer überzeugter werde, auch wenn diese Idee momentan nur eine Tendenz abbildet, die Handlung also noch völlig fehlt. Muss sie aber auch noch. Der Unterbau ist nämlich noch nicht fertig, noch in Planung, sozusagen. Doch ganz ohne große Recherchearbeit stoße ich im »Freizeitlesen« auf den Kern vor, nach und nach. Und auf Philosophen, die dazu einmal näher studiert werden müssen. Ich freue mich, ganz ehrlich.

Dienstag, 10. November 2009

Fem TV - gruselig, aber konsequent


Es geht wirklich immer noch schlimmer
, findet Leonie vom mädchenblog. Stimmt! Wer irgendwann mal in den inhaltsleeren Frauenhzeitschriften geblättert hat, könnte die Verbreitung dieses Schwachsinns in bewegten Bildern geradezu für Folter halten. Konsequent ist es aber. Schließlich ist so ein Format sicher günstiger zu realisieren als ein Sender, der richtige Inhalte zu bieten hat. Es ist schlicht einfacher, den neuesten Lippenstift von Margret Astor in den Himmel zu loben, als deutliche Worte zur Kopfpauschale zu finden, zum Beispiel. Also. Für die meisten.

Der Sender hat auch was für sich. Ehrlich! Falls mich jemand fragen sollte, was das Überflüssigste ist, was ich mir vorstellen kann, habe ich ab sofort eine Antwort, ohne auch nur eine Sekunde nachdenken zu müssen.

Und dieser Eindruck ist nicht mal subjektiv. Andreas Bartl, Vorstand German Free TV der ProSiebenSat.1 Media AG, verrät uns in der Pressemitteilung freimütig, dass der neue Sender ein vollständig abgekupfertes Produkt ist, bei dem keiner auch nur kurz nachgedacht oder eigene Ideen entwickelt hat. So sagt er:

Wir haben den Printmarkt sondiert und festgestellt, dass es über 100 Frauenzeitschriften in Deutschland gibt.

Ui. Dazu war also sondieren nötig. Ist nämlich Geheimsache. Also. Wenn man nie vor einem Zeitschriftenregal steht, meine ich. Aber ich wollte nicht unterbrechen:

Das bestätigt uns: Die Nachfrage ist da und die möchten wir zukünftig gezielt im TV bedienen.

Kann man so sehen. Man könnte auch zu dem Schluss kommen, dass es nun wirklich genug ist mit dem Modepüppchen-Make-up-Diät-Mann-finden-Geblubber.

Doch ehrlich gesagt ist die Entwicklung Richtung Fem TV konsequent, habe ich doch seit vielen Jahren den Eindruck, es gäbe einen internen Wettbewerb der Fernsehsender, mit so wenig Inhalt wie möglich einen ordentlich Batzen Geld zu verdienen. Fem TV ist da nur der vorläufige Gipfel einer langen, traurigen und gruseligen Entwicklung. Wetten, es geht noch schlimmer?

Sonntag, 8. November 2009

Freunde. Auf bald.

Maverik, ich hätte dir noch viel sagen mögen, dich auch noch vieles fragen mögen. Die Gretchenfrage zum Beispiel habe ausgerechnet ich dir nie gestellt, so, wie sich's anhörte, aber auch kein anderer. Dumm, wenn einem das auf der Beerdigung auffällt.

Es ist, wie es ist: Im Angesicht des Todes bleiben nur Tränen und fassungsloses Schweigen. Und doch: Letzten Endes gut, dass du das zehnjährige Martyrium hinter dir hast. Und ehrlich: Ich weiß nicht, ob ich's so lange ausgehalten hätte. Wir sehen uns im nächsten Leben. Auf bald.

Ach, eines noch: Du wolltest das Lied erst in 40 Jahren hören. Und auch, wenn's noch 35 Jahre sind bis dahin, muss der Text hier einfach her:

Mit 15 schrieben wir noch
Parolen an die Wand
Die keiner von uns damals
So ganz genau verstand.
Wir war'n mit 20 klar dagegen
Egal was es grad war
Hauptsache zusamm' und mit dem Kopf durch die Wand
Das Leben kam oft anders
Und selten wie gedacht
Doch wir ham' all die Kompromisse
Nie mit uns gemacht
Wir würden für einander lügen
Notfalls auch vor Gott
Wir haben nie drüber geredet
Doch wir halten unser Wort
Alles weil wir Freunde sind.

Manche sind gestorben
Andere gingen weg.
Doch wir hier haben einfach
Immer alles überlebt.
Wir sind anders als die andern
Auch wenn's keine andern gibt.
Wir schwör'n uns immer wieder
Dass das Beste vor uns liegt.
Die Jahre ließen Spuren,
Man kann sie deutlich seh'n.
Wir würden uns das so nie sagen
Weil wir Freunde sind.
Wir streiten uns
Vertragen uns
Wir wir noch Freunde sind.
Wir sind immer da
Auch ohne Grund
Weil wir noch Freunde sind.

Und wieder ist ein Jahr vorüber.
Und wieder ist mein Bierglas leer.
Und wieder ein paar Falten und auch ne Tätowierung mehr.
Irgendeine Liebe
War's irgendwann mal wert.
Werden wir uns jemals ändern?

Wenn wir verlier'n
Bau'n wir uns auf.
Alles weil wir Freunde sind.
Der Rest der Welt
Wir scheißen drauf
Alles weil wir Freunde sind.
Wir bleiben...
Wir siegen...
Weil wir noch Freunde sind!
Nichts wird uns
Tot kriegen
Weil wir... Freunde sind!

Die Toten Hosen
Freunde

Autobiographische Kryptik

Claudia denkt drüben in der Sammelmappe über autobiographisches Schreiben nach, pointiert und einfühlsam wie stets. Und als hätte sie's gewusst, trifft sie mein momentanes Dilemma recht genau.

Ein Gedanke noch von mir dazu: Kryptisch bleiben hat auch seinen Reiz, denn das innere Auseinandersetzen kann sich noch klarer, intensiver gestalten, Knoten auflösen, die Sicht klären. Kann, wie gesagt. Muss aber nicht.

Ach übrigens: I'm back, und ich hoffe, dieses Mal länger.

Kleinstadtellis Welt

von mittelalterlichem Kleinstadtleben, großstädtischen Ausflügen und seltsamen Anwandlungen

Dein Status

Du bist nicht Teil der Kleinstadtwelt.

Für Suchende

 

Stadtgespräch

Tja, was neues ist das...
Tja, was neues ist das leider nicht. Vor allem, was...
Oliver (Gast) - 24. Okt, 15:27
Solche "wichtigen" Meldungen...
... sollen doch nur von den Dingen ablenken, von denen...
DonJuergen - 13. Sep, 18:14
Stimmt. Ich war auch...
Stimmt. Ich war auch ziemlich entgeistert. Habe 'ne...
Trojaner2304 (Gast) - 26. Apr, 09:09
1984
Ich finde das "Ministerium für Liebe" - ebenfalls Orwell...
DonJuergen - 25. Apr, 18:51
Das passt doch sehr gut!
Das passt doch sehr gut!
DantesMuse - 19. Apr, 10:41
Ich kann da als kinderlose...
Ich kann da als kinderlose Frau nicht mitreden. Aber...
Ani72 - 19. Apr, 08:35
In der Heute Show wurde...
In der Heute Show wurde ein schöner Plakat - Schnappschuss...
Ani72 - 18. Apr, 22:35
Schön, wenn's so wäre....
Schön, wenn's so wäre. Ich Niedersächsin habe aber...
DantesMuse - 18. Apr, 21:12