Kleinstadteintopf

Montag, 7. April 2008

Frauen feiern hier nur halbnackt

Das selbst ernannte „Nachterlebniszentrum“, vulgo: Disse, meiner Lieblingskleinstadt hat sich mal wieder selbst übertroffen: Nächsten Samstag tanzen die Gogos oben ohne, unter dem bezeichnenden Motto „Eimer X-treme“ gibt’s Sangria für 3 Euro und beim Miss Wet Shirt Contest dürfen sich die Mädels meiner Kleinstadt für eine allgemeine Fleischbeschau aufstellen.

Das Schockierende daran ist: Die meinen das wirklich ernst. Und höchstwahrscheinlich werden sie auch nicht wenige Partygänger begrüßen können, die sich mit Sangria die Birne wegdröhnen, mit hängenden Zungen die Tänzerinnen anstieren und bei dieser unsäglichen T-Shirt-Aktion ihre Meinung darüber festigen, dass Frauen eigentlich nur fürs Bett gut sind.

Kann mir mal irgendjemand erklären, warum weibliche Menschenkinder auf eine „Party“ gehen, auf der sie halbnackten Damen beim Tanzen zusehen können und auf der sie sich dann auch noch selbst zum Affen machen? Soll so etwas etwa Spaß machen?

Freitag, 4. April 2008

Zahnlose Gleichstellungsversuche

Meine Lieblingskleinstadt hat's geschafft: Wir haben wieder eine (Teilzeit)-Gleichstellungsbeauftragte. Der Unterschied zwischen der alten und neuen besteht nicht nur in der Haarfarbe: Die „Neue“ arbeitet nämlich ehrenamtlich, ist also kostenlos für die Stadt und entlastet damit die stets klammen Kassen. Angesichts eines Jahresbudgets von 90.000 Euro für einen City-Manager, der in der Hauptsache sehr, sehr viel redet, dafür aber sehr, sehr wenig umsetzt, fällt es mir schwer, ob des eingesparten Geldes in Jubel auszubrechen.

Nicht nur, dass eine ehrenamtlich tätige Gleichstellungsbeauftragte sicher nicht unendlich viel Zeit in diesen Posten wird stecken können, nein, auch ihr – ohnehin schon geringer – Stellenwert sinkt dramatisch: Wer will schon auf jemanden hören, der ehrenamtlich arbeitet? Wie soll man, ähm, frau denn aus einer solchen Position heraus etwaige Missstände beheben können?

So hat man der Gleichstellungsbeauftragten den Zahn gezogen, kann sich dafür aber auch beruhigt zurücklehnen: Schließlich haben wir in unserer Stadt ja nun wieder eine Beauftragte für derlei „Gedöhns“ und kann damit den ewig meckernden Weibern das freche Mundwerk stopfen.

Donnerstag, 20. Dezember 2007

Mein Kleinstadtkreis wird grün

Das ist doch mal eine gute Nachricht: Sämtliche Gemeinden meines Lieblingskleinstadt-Kreises wechseln zum Jahreswechsel zu Lichtblick.

Ausnahme: Meine Lieblingskleinstadt. Die Verträge, so berichtet die lokale Tageszeitung, mit dem derzeitigen Stromanbieter laufen noch bis Ende 2008, allerdings finden bereits Gespräche mit anderen Anbietern statt. Übrigens ist nicht ökologisches, sondern ökonomisches Kalkül der Grund für den Wechsel: Lichtblick war schlicht am günstigsten.

Montag, 17. Dezember 2007

Ein Wolf, ein Wolf

Was für eine Nachricht: Ein freilebender Wolf im Nachbarlandkreis gesichtet! Sie kommen zurück in unsere Wälder, langsam zwar, aber unaufhaltsam.

Dieser Wolf allerdings hätte sich einen anderen Wald aussuchen sollen: Er wurde von zwei Jägern erschossen, denen er vor die Flinte gelaufen war, nach ihren Aussagen bereits angeschossen. Tja. Jäger scheinen große Angst vorm "Bösen Wolf" zu haben. Oder Lust auf außergewöhnliche Trophäen.

Donnerstag, 16. August 2007

Von einem, der auszog, seinen Führerschein zu eliminieren

Kleinstädter sind schon ein seltsames Völkchen. Ich bin das beste Beispiel, was regelmäßigen Lesern nicht entgangen sein dürfte. Zum Glück gibt es aber immer noch verschrobenere Menschenkinder, zumeist diejenigen, die in den umliegenden Dörfern von Kleinstädten wohnen - rein statistisch gesehen. Das liegt wahrscheinlich an mangelnder kultureller oder sonstwie gearteter Abwechslung, vielleicht aber auch am immer schlechter werdenden Fernsehprogramm oder daran, dass die Marianne von Marianne und Michael kürzlich einen Nervenzusammenbruch hatte, so genau lässt sich das nicht festmachen.

Diese tolerierte, teilweise auch durchaus liebenswerte Verschrobenheit kann allerdings Ausmaße annehmen, die nichts mehr mit Verschrobenheit zu tun haben. In solchen Fällen sprach man früher vom blöden Bauern, heute nennt zumindest Kleinstadtelse solche Menschenkinder Vollpfosten.

Diese Vorrede dient übrigens als Einleitung für eine kleine Anekdote, die leider nicht meinem Kopf, sondern der Realität entsprungen ist und so von der zuständigen Polizeidienststelle verkündet wurde - auch wenn man es kaum glauben kann.

Es begab sich nämlich am letzten Wochenende, dass ein 40-jähriger Mann aus irgendwelchen Gründen mit seinem Auto irgendwohin fahren wollte. Das ist, auch wenn es sehr spät war, als der Mann sich hinter sein Steuer setzte, an sich nichts Ungewöhnliches - schon gar nicht für Menschen aus meinem Landkreis, der, was die öffentlichen Verkehrsmittel am Wochenende zur Nachtzeit betrifft, nicht eben grandios ausgestattet ist.

Dumm an der Sache war, dass besagter Mann nicht bedachte, dass die Alkoholmenge, die er zuvor konsumiert hatte, das Führen eines Fahrzeuges erschwert und aus diesem Grund verboten ist. Wie es der Teufel so wollte, geriet er in eine Allgemeine Verkehrskontrolle, in deren Verlauf die kontrollierenden Polizisten nicht nur einen Promillewert von 1,14 feststellten, sondern den Führerschein aus eben diesem Grund entzogen.

Das ist allerdings noch lange nicht alles: Besagter Mann scheint nicht viel von der Staatsgewalt zu halten, denn bereits nach einer Stunde wurde er wieder hinter dem Lenkrad seines Wagens erwischt. Und dann noch zwei Mal in der nächsten Nacht, dieses Mal im Bereich meiner heißgeliebten Kleinstadt. Und dann noch einmal, in der nächsten Nacht.

Das wurde den Polizisten etwas zu bunt - verständlicherweise - also behielten sie den Schlüssel ein. Nun weiß man ja, dass es für einzelne Fahrzeuge meist zwei bis drei Schlüssel gibt, und so kann sich der geneigte Leser vielleicht vorstellen, was weiter passierte:

Am übernächsten Morgen, vulgo: gestern, wurde er in der Nähe der kleinstädtischen Agentur für Arbeit angetroffen - hinter seinem Steuer. Die Folge: Der Wagen wurde sichergestellt und abgeschleppt.

Das fand der Mann aber gar nicht gut: Er behauptete, dass er seinem 17-jährigen Beifahrer das Auto verkauft habe und es deswegen rechtswidrig sei, das Auto abzuschleppen. Die Autorin vermutet, dass sich die Wortwahl ein wenig ... nun ja ... grobschlächtiger dargestellt haben könnte.

Die Autorin kann sich durchaus das süffisante Grinsen vorstellen, mit dem die Polizisten diese Nachricht vernommen haben mochten. Sie zogen das Fahrzeug nämlich trotzdem ein, dafür hat besagter 17-Jährige nun aber auch eine Strafanzeige am Hals, wie man so schön sagt. Schließlich hat er ja als Fahrzeughalter, der er angeblich ist, zugelassen, dass jemand sein Auto fährt, obwohl dieser jemand überhaupt keinen Führerschein hat. Und behaupten, dass er, also der 17-jährige, das ja gar nicht wusste, kann er auch nicht. Bei den unzähligen - Verzeihung - 6 Malen, bei denen der 40-jährige unfreiwilligen Kontakt mit der Polizei hatte, war der Beifahrer mindestens 1 Mal dabei.

Ergebnis: Ein 40-jähriger, der seinen Führerschein wohl nie wieder sieht, ein 17-jähriger, der sich schwarz ärgern dürfte, weil er so blöd war, jemandem helfen zu wollen, dem offenkundig nicht mehr zu helfen ist und eine Kleinstadtelse, der es doch manchmal peinlich ist, in der Kleinstadt zu wohnen.

Donnerstag, 3. Mai 2007

Frühling in der Kleinstadt

Gelbe Rapsfelder. Eine kribbelnde Nase. Hellgrüne Blätter. Duftende Sträucher. Sonne, richtig viel davon. Vogelgezwitscher. Morgens. Mittags. Und – am Bahnhof, weil’s da richtig laut ist – auch nachts.

Und wo wir gerade bei den Vögeln sind: Eichelhäher, Rotkehlchen, Drossel, Elster, Meise, Fink, Amsel, Zaunkönig und jede Menge andere gefiederte Besucher auf, an und in meinem Vogelhäuschen. Mich würde wirklich brennend interessieren, wie, zum Teufel, sich eine ausgewachsene Elster in ein Vogelhaus zwängen kann, das eigentlich für Meisen ausgelegt ist und schon für die freche Drossel ziemlich eng ist. Verrücktes Federvieh!

Donnerstag, 12. April 2007

Prosit, Kleinstadt!

Vermutet habe ich es schon immer und mein nun schon 3 Jahre andauerndes Gependel zwischen Klein- und Großstadt hat es bestätigt: Es dauert ewig, bis Trends in der Kleinstadt ankommen – so sie denn überhaupt ankommen. Manche modischen Unsäglichkeiten, die in der Großstadt fast schon zum guten Ton zu gehören scheinen, gehen gottlob sang- und klanglos über meine Lieblingskleinstadt hinweg.

Dummerweise scheint das bei Kneipentrends nicht der Fall zu sein. Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Da stirbt ein 16-jähriger an den Folgen einer Alkoholvergiftung, die er sich auf einer Flatrate-Party zugezogen hat. Da denkt Berlin darüber nach, eben jene Partys zu verbieten. Da distanziert sich jüngst selbst der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband von den Besäufnispartys – sicher auch, um einem gesetzlichen Verbot vorzubeugen.

Und in meiner Lieblingskleinstadt gibt es nächstes Wochenende die erste Flatrateparty im C., dessen Ambiente, Publikum und Musik mir noch nie zugesagt haben.

Tja. Wir Kleinstädter sind eben innovativ, wenn’s ums Saufen geht. 'S ist ja auch sonst nicht viel los hier. Und was anderes scheint uns schlicht nicht einzufallen. Na dann ...

Freitag, 9. März 2007

Zum Gestern

Weltfrauentag. Bilanz: Zwei Glückwünsche. Eine Anekdote. Ein Hauch Frauensolidarität. Ein wenig Medienecho. Und ganz viel Schulterzucken.

Dienstag, 6. März 2007

Konzept „Reden für die Schublade“

Mein Lieblingslandkreis lud ein: 40 „Entscheidungsträger“, wie es so schön nebulös in der hiesigen Tageszeitung hieß, debattierten darüber, wo denn nun die Stärken dieses unseres geliebten Landkreises liegen und wie zum Teufel man diese denn nun nutzen könne. Unser hochgeschätzter Landrat wies denn auch gleich diesem so genannten „Integriertem ländlichen Entwicklungskonzept“ eine „hohe Durchschlagskraft“ zu – und die hiesige lammfromme Tageszeitung hat nichts Besseres zu tun, als diesen Persilschein in der Überschrift zu zitieren.

Und ich ziehe skeptisch die Augenbraue hoch. Im Jahre des Herrn 2000 gab die Sparkasse meiner Lieblingskleinstadt ein regionales Entwicklungskonzept in Auftrag, das die Aufgabe hatte, die Stärken unseres Landkreises aufzuspüren – und aufzuzeigen, wie man die nun nutzen kann.

Schon damals argwöhnte ich, dass dieses Konzept stillschweigend in der Schublade verschwinden würde, hielt mich aber dezent zurück. Auch damals lagen die verborgenen Stärken des Landkreises im Tourismus. Welch Wunder: Gegend, Heide, plattes Land, ein paar Radwege, in der Mitte von Norddeutschland gelegen, je eine Stunde von zwei Großstädten entfernt, die eine im Südwesten, die andere im Norden. Dieses Konzept geht schon beim Nachbarlandkreis auf, insofern muss man nicht unbedingt Einstein sein, um auf den Tourismus zu kommen.

Damals hieß es, wir müssen auf die Kartoffel setzen, ja, wir seien berühmt für unsere Kartoffel – und das gelte es auszubauen. Mit Kartoffelfesten. Kartoffelmärkten. Kartoffeldies und Kartoffeldas. Nun, dank des „Linda-Gezänkes“ habe ich tatsächlich den einen oder anderen Landkreis-Bauern in verschiedenen Nachrichtenquellen aufblitzen sehen, aber ich würde doch bezweifeln, dass wir berühmt für unsere Kartoffeln sind. Und selbst wenn? Wer, zum Teufel, reist irgendwelchen Kartoffeläckern hinterher? Ob dieses Konzept aufgegangen wäre oder nicht, vermag ich nicht zu sagen, denn passiert ist nämlich – gar nichts.

Und weil es zu peinlich wäre, eine Kartoffelidee aus verstaubten Schubladen hervorzukramen, und vielleicht, weil auch Entscheidungsträger ihre Berechtigung brauchen, wurde sich brav etwas Neues ausgedacht: Am Marketing hapert es. Stimmt. Wenn keiner weiß, dass es uns gibt, kommt auch keiner her. Und an den Verkehrsanbindungen hapert es auch. So fanden die Entscheidungsträger es seltsam, dass wir nicht an die Verkehrsverbundsysteme eben jener beiden Großstädte angeschlossen sind. Ist auch seltsam.

Doch dass das überhaupt jemand bemerkt, ist für diese Kleinstadt ein echter Kracher. Ich wurde schon fast euphorisch und dachte beinahe daran, dass dieses Mal alles anders werden könnte. Doch ach: Da war es wieder. Mehr Radwege brauchen wir nämlich. Und passende Radwegleitsysteme. Stimmt touristisch gesehen auch. Höre ich aber, seit dem ich denken kann.

Nun denn. Es scheint, als wurde ein neues Konzept für die Schublade geboren. Davon scheint mein Lieblingslandkreis nie genug zu bekommen. Aber ich lasse mich natürlich gerne überraschen.

Dienstag, 13. Februar 2007

Oh what a day!

Das Verfassungsgericht entscheidet, dass heimliche Vaterschaftstests immer noch nicht vor Gericht als Beweismittel gelten, sagt aber gleichzeitig, dass es ein Gesetz geben muss, das zweifelnden Vätern die Möglichkeit gibt, Detektiv zu spielen. Und ausgerechnet diese Entscheidung ist die erste, die ich live gesehen habe. Interessant!

Außerdem habe ich heute Leinengarn erstanden. 620 Gramm für schlappe 16 Euro. Das wird sicher reichen für mein erstes mittelalterliches Kleid. So manches Mal ist Ebay doch noch für ein Schnäppchen gut. Und t-r-e-o für eine gute Idee.

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creature - 5. Dez, 11:18
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*lach* Ja. Und das fast ganz alleine. Ähm. Was...
DantesMuse - 4. Dez, 23:36
Was? Er kann stehen?...
Was? Er kann stehen? Hört sich gut an. Auch die...
Sammelmappe (Gast) - 26. Nov, 20:14
Schön, dass du wieder...
Schön, dass du wieder da bist.
Sammelmappe (Gast) - 9. Nov, 17:26
Dieses Mal länger?
Würde mich freuen :) liebe Grüße, Lunula
lunula - 9. Nov, 13:51

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