Dienstag, 24. Juli 2007

Virtuelle (Hör-)Buchwidmung XXII.

Es war einmal ein Mann mit einer Videokamera. Der eine Reise tat. Von Amerika nach Isreal. Vom 20. Jahrhundert in die Zeit Jesu. Letzteres allerdings unfreiwillig, dafür aber mit der Möglichkeit, Jesus zu sehen und zu ... filmen. Man stelle sich vor, es gäbe ein Video, das Jesus zeigt. Spannende Geschichte.

Ich weiß jetzt allerdings auch, was mich 1999, als ich das Buch las, an dieser an sich unglaublich faszinierenden Geschichte störte: Wenn ein Protagonist beispielsweise eine Nummer aus einem Telefonbuch heraussucht, muss ich nicht wissen, dass er die Hand ausstreckt, das Buch aus dem Regal nimmt, es auf den Schreibtisch legt ...

Herr Eschbach sieht das aber offenbar anders. Abgesehen von dieser Schwäche ein wirklich empfehlenswertes (Hör-)Buch.

Eine Szene gefiel mir ganz besonders: Wenn's in einem Thriller um Jesus geht, ist die römisch-katholische Kirche natürlich immer mit von der Partie. In diesem Fall unter anderem in Gestalt eines äußerst kalten Menschen, den so ein Video nicht im Mindesten reizt. Im Gegenteil: Sobald er es in die Finger bekommt, zerstört er es und erklärt auch gleich, warum:

Wenn es heute einen Jesu gäbe, würde er heute genauso verurteilt werden wie damals. Dieses Mal allerdings von der Kirche itself. Denn Jesu hatte es nun einmal nicht mit Machtgefügen, Ränkespielen und Intrigen und wäre mit Sicherheit einer der größten Kritiker dieser Institution, die vorgibt, Gottes Vertretung auf Erden zu sein.

Passend dazu, zitiert Lukuhlus zufällig heute das lesenswerte Gedicht „Jesus und Stoiber“ des Bonner Liedermachers Götz Widmann.

Das Jesus-Video
Andreas Eschbach

Dienstag, 17. Juli 2007

Untergang des Abendlandes?

Alice Schwarzer macht Werbung für Bild. Und wie es scheint, bin ich nicht die einzige, die das nicht versteht.

Mittwoch, 6. Juni 2007

V wie Vendetta

„Remember, remember the fifth of november.“

Filme und Bücher, die eine Diktatur à la 1984 zeigen, machen mich einfach fertig. Schon wenn ich daran denke, habe ich die sich vor Hasstiraden überschlagene Stimme des Österreichers im Ohr, die so viele Menschen unerklärlicherweise in ihren Bann ziehen konnte. Hassgefühle gehören eben zu den Dingen, mit denen ich weder umgehen noch sie verstehen kann.

Mehr noch: Der Gedanke, dass es hassende, tief hassende Menschen gibt, die sich durch ihren Hass von machthungrigen, teilweise ebenfalls hassenden, Tiraden skandierenden Pseudopolitikern instrumentalisieren lassen, verstört mich geradezu. Dennoch möchte ich die Geschichten kennen, die ein düsteres Bild der Diktatur zeigen, nicht um Angst vor der Zukunft zu bekommen, sondern um nicht zu vergessen, wie schnell sich eine Demokratie zum totalitären Staat umbauen lässt.

Die Comic-Verfilmung V wie Vendetta ist so eine Geschichte. Wir schreiben das Jahr 2018. Ganz Großbritannien wird von einem totalitären, faschistoiden Regime unterdrückt, dessen Mechanismen stark an die des Hitler-Regimes erinnern: KZ-ähnliche Lager, in die die Homosexuellen, Oppositionellen, Andersdenkenden und Ausländer gesteckt werden. Die Medien werden komplett durch den Großkanzler Adam Sutler und dessen Getreuen der „Nordfeuer-Partei“ kontrolliert. Eine Gestapo-ähnliche Sicherheitspolizei schikaniert, bespitzelt, foltert, tötet. Legitimiert wird das Ganze durch den Kampf gegen „die Terroristen“, die auf der restlichen Welt angeblich Chaos verbreiten und für einen Angriff mit biologischen Waffen verantwortlich sein sollen, der zu 80.000 Toten in der britischen Bevölkerung geführt hat.

Ein Mann stellt sich dem Regime allerdings plötzlich entgegen: V. Ein Einzelgänger. Gnadenlos. Von Rache besessen. Mit einer Guy Fawkes-Maske vor seinem Gesicht. Und sich explizit auf ihn berufend, ihn, dem katholischen Offizier, der am 5. November 1605 versucht hat, das englische Parlament in die Luft zu sprengen.

Wie sich herausstellt, ist er der einzige Überlebende einer üblen Forschungsreihe, in deren Verlauf suspekte Objekte der Gesellschaft als Versuchskaninchen verfrühstückt wurden. Ziel: Eine biologische Waffe gegen „den Feind“. Eines der Ergebnisse: V dreht durch. Er weiß nicht mehr, wer er ist, hat dafür einen messerscharfen Verstand, überzeugendes Kulturverständnis, ist stark, schnell und kampferprobt.

Als Evey in sein Leben tritt, eine Waise, deren Eltern und Bruder dem Regime zum Opfer gefallen sind, ändern sich sein Ziel und seine Legitimierung vorerst nicht, erst zum Ende hin reicht er sein Zepter an die neue Generation – Evey – weiter, in dem er ihr die Entscheidung überlässt, ob das Parlamentsgebäude in die Luft gesprengt werden soll oder nicht.

Ein starker Film. Einer, der zum Nachdenken anregt, zur Frage, ob Terror gegen ein Terrorregime berechtigt ist oder nicht. Ob Gewalt ein Mittel ist, um die Bevölkerung aufzurütteln und sie gegen das Regime einzunehmen. Und ob Rache ein guter Ratgeber ist.

Natürlich: V wie Vendetta ist ein Film. Und die Hauptschwäche von Filmen sind unausgearbeitete Charaktere und offene Fragen. Wieso, fragt man sich, geht eine Bevölkerung, die 12 Jahre lang eine Diktatur aushält, ohne auch nur aufzumucken, nach nur einem Jahr V’scher Gehirnwäsche auf die Straße und steht auf gegen die Unterdrücker? Wie kommt ein Mann dazu, eine Frau zu foltern, um ihr die Angst vor dem Regime auszutreiben? Wie kann eine Frau einem Mann verzeihen, der sie gefoltert hat, aus welchen Gründen auch immer, ihn gar plötzlich für einen großen Mann, einen Helden halten?

Dennoch: Ich habe den Film bereits zum zweiten Mal gesehen und es nicht bereut, auch wenn der Schatten t-r-e-o-s, mit dem ich den Film beim ersten Mal gesehen habe, schon mit der ersten Szene sofort wieder fast fühlbar war. Bei mir eingeordnet in der Kategorie Lieblingsfilm.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Mein Alter Ego 1250 – der erste Auftritt

An dieser Stelle kündigte ich bereits an, dass mein diesjähriges Pfingstwochenende ganz dem Mittelalter gehören würde. Mein erster Auftritt als Magd im Gefolge des Ministerialen Christian von Wodensethe wurde vom diensthabenden Regengott mit Wohlwollen quittiert. So gut gelaunt wie bei meinem Marktbesuch vor zwei Jahren war er allerdings glücklicherweise nicht ganz: Samstag Nacht brach zwar das Sonnensegel unter den Wassermassen zusammen, aber im Zelt war es trocken und zwischendurch kam sogar die Sonne durch.

Ein Wehmutstropfen: Zwei Monate reichten nicht aus, um meine Gewandung fertigzustellen. Abgesehen von einem unfreiwilligen Krankenhausaufenthalt, der die Produktion zwar nicht stoppte, aber durch Kanüle im nadelführenden linken Arm auf schmerzhafte Weise hemmte, braucht es sehr, sehr viel Zeit, per Hand ein Kleid mit Kappnaht zu versehen. Deswegen trug ich eine geliehene Gewandung in rot-weiß mit langen Glockenärmeln, die nicht so wirklich zu einer Magd des Jahres 1250 passt. Aber auch das hatte sein Gutes, hielten sich meine Gewissensbisse ob der Bundschuhe doch in Grenzen, die ich meiner kalten und durchweichten Füße wegen ab Samstag Spätnachmittag trug.

Trotz der regelmäßigen Schauer gelang es Eike (am Amboss) und Christian (am Blasebalg, abgelöst von Eike, Thomas, Sascha – und neugierigen Kindern) am Montag, in einer Bodenesse zwei Esspfrieme herzustellen und mit einem Feuerschläger zu beginnen.

Wegen der regelmäßigen Schauer verspürte ich keine Lust, mich unter dem Sonnensegel hervorzuwagen und mein Kleid vorne am Wegrand weiterzunähen oder den Müsenstich vorzuführen, den ich dank der einleuchtenden Erklärung Lunulas nach langem Probieren endlich verstanden habe. Meine Chance, auf Interesse bei den Besuchern zu stoßen, hätte sich aber dadurch wohl nicht sonderlich erhöht. So eine Bodenesse und das ausgestellte Rüstzeug des Ministerialen Christian von Wodensethe ist halt etwas spektakulärer als schnöde Handarbeit.

Meinen spektakulärsten Auftritt an diesem Wochenende vollzog ich liegend und stumm – als Pestleiche, deren Schwester nicht glauben kann, dass ich tot und nicht nur schlafend auf ihrem Schoß liege. Spannend, das.

Nägel mit Köpfen

Es stehen Veränderungen an. Nachdem mein Körper monatelang kränkelte und die Nerven zum Zerreißen gespannt waren, sind nun Pläne geschmiedet und zum Teil schon umgesetzt. Die Zukunft sieht nun anders aus: Ungewisser, (noch) konturloser, spannender. Seit Wochen nerve ich mein soziales Umfeld (ein Ausdruck, der dank Don Jürgen in meinen Wortschatz einging) mit dem Credo „Alles wird gut“, und so wie’s aussieht, habe ich Recht damit. Gut so.

Donnerstag, 10. Mai 2007

Deutschland sieht rot

Terroristen. Überall. Da muss man sich wehren, findet unser fürsorglicher Staat. Denn es sind nicht mehr nur die Islamisten, die ständig und überall unzählige Anschläge planen. Die Linken erstarken wieder, seit Jahren schon. Und die planen nicht nur, die verüben auch. Schmeißen Molotowcocktails an Gerichtsgebäude, zünden mit Brandbomben anderer Leute Autos an.

Und deswegen ermittelt Vater Staat, kommt nur nicht so richtig weiter. Und dann ist da noch dieser G-8-Gipfel in Heiligendamm, der erfahrungsgemäß Krawallmacher, Ausrichtung links, auf den Plan ruft. Und dieser Idioten wegen muss man die friedlichen Demonstranten natürlich nicht als solche bezeichnen und kann sie in Bausch und Bogen gleich mit verdammen.

Deutschland hat schließlich ein Image zu wahren und nervige Demonstranten, die zeigen, dass sie anderer Meinung sind, stören nur. Und deswegen gingen gestern 900 Polizisten los und durchsuchten, was das Zeug hielt. Motto: Wir wissen, wer ihr seid. Und wir sind viel stärker. Oder: Big Brother is watching you.

Demokratie ist dieser Tage in Deutschland nicht hoch angesehen. Da wird an Privatsphäre, Presse- und Meinungsfreiheit herumgesägt, da wird die Unschuldsvermutung in Frage gestellt und dass man in Amerika jetzt foltern darf, regt hierzulande auch niemanden wirklich auf. Da wird das Bankgeheimnis einkassiert, da werden Daten gesammelt und Kameras an öffentlichen Plätzen aufgestellt.

Und das alles unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung. Ist doch klar, dass nun jeder Hans und Franz von offizieller Stelle Terrorist genannt wird. Schließlich muss die Angst vorm Terror in den Köpfen bleiben, gehegt, gepflegt, geschürt werden, damit die Staatsmacht effektiver ausgebaut werden kann und Politik in den Händen derer bleibt, die dafür gewählt wurden von den immer weniger werdenden Menschen, die sich überhaupt noch an die Urne bequemen. Bis am Ende nur einer übrig bleibt, der den Deutschen so richtig zeigt, wo’s langgeht.

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Tja, was neues ist das...
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DonJuergen - 13. Sep, 18:14
Stimmt. Ich war auch...
Stimmt. Ich war auch ziemlich entgeistert. Habe 'ne...
Trojaner2304 (Gast) - 26. Apr, 09:09
1984
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DonJuergen - 25. Apr, 18:51
Das passt doch sehr gut!
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DantesMuse - 19. Apr, 10:41
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Ani72 - 19. Apr, 08:35
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