Freitag, 29. Dezember 2006

Caliente sagt ...

Caliente sagt, es wird zu früh dunkel dieser Tage in Deutschland. Und dass es sich eigentlich gar nicht lohnt, dieser Tage in diesen Gefilden aufzustehen. Recht hat sie! (Und das Glück, im hellen, freundlichen Spanien diese Zeit zu überstehen).

Das musste einfach mal vermeldet werden. Glücklicherweise wird’s ja langsam wieder heller. Also: Weiter im Text.

Der Innenminister, dein Freund und Helfer

Neulich verkündete er, das Renteneintrittsalter von 67 Jahren sei nicht das Ende, weil Altersarbeit "wahrscheinlich das wirksamste Vorsorgeprogramm gegen die Verbreitung von Demenz" sei.

Das nenne ich doch mal Politikerdeutsch in Reinform. Was würden wir nur machen, wenn wir den Schäuble nicht hätten? Richtig, werter Leser: Ab dem 68. Geburtstag blöde vor uns hinsabbern. Da bin ich ihm aber dankbar, dem Herrn Schäuble. Und dem kleinen Kobold in meinem Kopf, der mir beharrlich einflüstert, dass die weitere Erhöhung ja eher was mit Misswirtschaft, falsch verstandener Versicherung, Habgier und Unfähigkeit zu tun hat, diesem frechen Kobold bläue ich auch noch die Schäubl’sche Wahrheit ein.

Gefunden bei den Zeitspuren.

Mittwoch, 27. Dezember 2006

Zum Schlaulesen

24 populäre Irrtümer rund ums Weihnachtsfest.

Von selbsternannten Messiassen und jüdischen Müttern

Ein Blick auf Maria, der sie aus der Passivität völlig heraushebt und zu einer Kämpferin macht, liest sich in der Welt.

Ham wa nich

Et war eenmal der kleene Ronny ... *räsuper* Also.

Ein gewisser Ronny, Student seines Zeichens, ist mit einer beeindruckend konsequenten Berliner Schnauze ausgestattet. Und dieser Ronny stürzte sich in das Abenteuer, ein Zusatzticket zu seinem Semesterticket zu bekommen. Und was er dabei so erlebte und ob er Erfolg hatte oder nicht, erzählt er – natürlich im schönsten Berliner Dialekt – bei Lim_Dul.

Eragon

Eragon ist ein 17-jähriger Bengel, der, wenn nicht Waise, so doch wenigstens Strowaise ist (seine Mutter verließ ihn unter mysteriösen Umständen), auf seiner morgendlichen Jagd ein seltsames blaues Ding entdeckt und plötzlich zur letzten Hoffnung seiner Welt wird. Näheres zum Storyboard gibt’s hier.

Eine klassisch-heroische Drachengeschichte also, deren Untertitel „Vermächtnis der Tempelritter Drachenreiter“ mich übrigens häufig zum Straucheln bringt. Allerdings weniger verkitscht als Dragonheart, sicher auch ein Verdienst des Schotten Robert Carlyle (Durza) und des Engländers Jeremy Irons (Brom).

Klar, dass meine Favoriten den ersten Teil dieser Trilogie nicht überleben. Aber es gibt einen Hoffnungsschimmer: Der böse Herrscher Galbatorix (John Malkovich) scheint so sauer auf Eragon zu sein, dass er im nächsten Teil wohl selbst auf die Jagd nach ihm gehen wird. Man darf also gespannt sein.

Dienstag, 12. Dezember 2006

Genmanipulation für den Frieden

Wenn ich das Wort Moral höre, assoziiere ich es sofort mit den schwarzen Kleidern des viktorianischen Zeitalters, mit hochgezogenen Augenbrauen, mit Naserümpfen und sinnleeren gesellschaftlichen Ereignissen. Moral ist für mich immer etwas Aufgestülptes, eine kürzere und intellektuellere Umschreibung für „Das tut man nicht“. Das Verhalten, das unter anderem der kategorische Imperativ einfordert, hatte ich für mich unter dem Begriff Ethik abgespeichert – und wenn man sich den Unterschied zwischen den beiden Begriffen ansieht, lag ich offensichtlich rein intuitiv richtig.

Insofern stellen sich mir erst einmal die Fußnägel auf, wenn ich die Überschrift Moral steckt im Erbgut lese, nicht nur wegen der oben genannten Ausführung, sondern weil ich es gelinde gesagt seltsam finde, dass alles und jedes in den ollen Genen liegen soll – als nächstes heißt es noch, die Eva hätte recht, weil das übermütige Gen an 2. Stelle links unten irgendwie weibisch wirkt. Oder so.

Letztlich handelt es sich bei diesem Artikel um ein Interview mit dem Psychologen Marc Hauser, der in viele Versuchen belegt hat, dass der Mensch eine Art Grundmoral hat – unabhängig von Rasse, Religion, Alter, Geschlecht oder Erziehung. Und das klingt für mich ja nun richtig interessant – insofern ist das Interview absolut lesenswert.

Kriege sind übrigens ziemlich leicht zu verhindern, sagt er:

SZ: Die tiefsitzende Angst und Aggression Fremden gegenüber als Grundlage sozialer und kultureller Spannungen und Kriege lässt sich aber kaum wegdiskutieren.

Hauser: Das trifft zu. Das Interessante dabei ist, dass die Aggression anderen Gruppen gegenüber meist geschürt wird, indem man Abscheu vor anderen erzeugt. Man nennt sie Parasiten, Gottlose, Untermenschen, Wilde - die Nazis sind dafür das beste Beispiel.

So entstehen starke Feindbilder, zementiert durch elementare Aversion. Menschen, die an der Erbkrankheit Chorea Huntington leiden, kennen keine Abscheu. Das geht auf eine Genmutation zurück. Auch im Tierreich kommt diese Empfindung nicht vor. Wenn wir also Kriege verhindern wollen, müssten wir nur am richtigen Genschalter drehen. Ganz ehrlich: Würden Sie Abscheu wirklich vermissen?

SZ: Genmanipulation? Sie glauben doch nicht im Ernst, dass sich so etwas durchsetzen ließe.

Hauser: Wenn man überlegt, was man tun müsste, um die Grausamkeit Fremden gegenüber aus der Welt zu schaffen: Dann wäre es genau das.

Montag, 11. Dezember 2006

Seltsames Weihnachtszeuch die II.

Wow. Ich muss mich einen Moment sammeln. Es passiert wirklich nicht oft, dass ich beim Lesen eines Satzes Luft holen muss, weil ich denke, dass er so lang ist, dass mir die Luft ausgeht, wenn ich ihn sprechen würde. Das liegt zum einen daran, dass es nicht viele verschachtelte Sätze gibt, von denen ich den Eindruck gewinne, dass ich sie während einer meiner hitzig und temperamentvoll geführten Diskussionen benutzen könnte, sondern auch daran, dass ich in vielen verschachtelten Sätzen argumentiere – und insofern, abgesehen von meinem eher bescheidenen, weil bandlosen Herumgesinge, eine gute Atemkondition habe.

Doch welcher Satz war es denn nun, der Kleinstadtelli in Atemnot versetzte? *räusper* Ich zitiere:

Und zwar zum Einen die, die vor Vorfreude glückselig und Trallala-Schmalzlieder singend durch die hellerleuchtete, glitzernde Lichter- und Tinnefwelt des Konsumweihnachtens von einem "Oh" zum nächsten "Ah" taumeln und den Rest der Menscheit mit vor Rührung weit geöffneten und feuchten Augen anhimmeln, während ihre Arme gerade noch ausreichen, um all die schönen, tollen Geschenke zu halten, die sie für Gott und die Welt und sogar Nachbars Katze erstanden haben - und zum anderen Misanthropen wie mich, die diese unserer Meinung nach geheuchelte und falsche Art von Weihnachten sowas von überhaupt nicht abkönnen und am liebsten bereits vor dem 1. Advent abtauchen und erst an Silvester wieder auftauchen würden.

Auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole: Wow. Ich muss mich einen Moment sammeln. Nun weiß der geschätzte Leser auch, warum sich dieses Zitat unter der Überschrift „Seltsames Weihnachtszeuch die II.“ wiederfindet. LukUHLus hat, so scheint’s, eine ähnlich motivierte Abneigung im Laufe seines Lebens aufgebaut wie ich.

Und deswegen kann ich diesem Beitrag, der so herrlich mit dem oben zitierten Satz beginnt, inhaltlich nur voll und ganz zustimmen.

Freitag, 8. Dezember 2006

Seltsames Weihnachtszeuch die I.

Das dritte Weihnachten arbeiten in der Nähe einer der Haupteinkaufsstraßen der Großstadt entlockt mir höchstens noch ein seufzendes Schulterzucken. Dem Rumgeschiebe und -geschubse, den rummotzenden Geschenkejagern, den Auf-gar-keinen-Fall-Beiseitegehern und vor allen Dingen der schlechten Laune, die einem aus fast jedem Gesicht wie ein schlecht isolierter Castorbehälter entgegenstrahlt, entziehe ich mich durch Umwege und völliger Konsumverweigerung.

Beim ersten Mal, also zu der Zeit, als ich meine Leutchen nicht wegen Weihnachten, sondern der dunklen, kalten Jahreszeit wegen beschenkte – ausdrücklich nicht an Weihnachten –, stand nach drei Tagen fest: Das ist der letzte Dezember, den ich mit Geschenke kaufen verbringe. Die dunkle, kalte Jahreszeit kann man nämlich auch ganz einfach mit Keksen vertreiben. Oder einem ausgiebigen Brunch. Oder so. Die Mordgelüste nahmen nämlich überhand, die Nerven lagen blank und in Anbetracht der Tatsache, dass ich in dieser Jahreszeit ohnehin eher zu den depressiven Zeitgenossen gehöre, fand ich es überhaupt nicht sinnvoll, mich mit miesgelaunten, ignoranten, genervten, wütenden und fantasielosen Menschen zu umgeben, in deren leeren Augen die Hoffnungslosigkeit eines jährlich wiederkehrenden, jährlich vermurksten, aber nichts desto Trotz geschenkreichen Weihnachtsfestes zu lesen ist.

Mittlerweile habe ich so viel Distanz zu dieser Einkaufsmasse, dass mich das Paradoxon Fest der Liebe/Einkaufsschlacht eher amüsiert als schockiert. Das liegt möglicherweise auch an seltsamen Umfragen seltsamer Radiosender, bei denen dann rauskommt, dass es Leute gibt, die meinen, Weihnachten wäre von Coca Cola erfunden worden. Und dabei hat Coca Cola nicht mal den Weihnachtsmann erfunden. Aber das ist eine ganz andere Geschichte, und soll ein andermal erzählt werden. (Übrigens das erste Mal, dass ich offiziell aus Michael Endes „Unendliche Geschichte“ klaue zitiere.)

Wie auch immer. Eigentlich gibt es nur einen Grund, warum ich meine geschätzten Leser in diesem Jahr nicht vor der Weihnachtskeule bewahre, genauso genommen ist sogar nur ein Wort Schuld: Weihnachtsbaumschürze. In einem Prospekt, der einem der beiden kleinstädtischen Anzeigenblattern beigelegt war, wurde so etwas nämlich angeboten. Also. Eine Weihnachtsbaumschürze. Damit der Weihnachtsbaum sich nicht bekleckert. Oder damit niemand sehen kann, wie hässlich der Baumschmuck wirklich ist. Oder als „Kleines Schwarzes“. Oder ... wie? Ich hoffe, dieses komische Dingens wird kein neuer Trend – irgendwann ist selbst bei Weihnachten die Lächerlichkeitsgrenze erreicht.

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Tja, was neues ist das...
Tja, was neues ist das leider nicht. Vor allem, was...
Oliver (Gast) - 24. Okt, 15:27
Solche "wichtigen" Meldungen...
... sollen doch nur von den Dingen ablenken, von denen...
DonJuergen - 13. Sep, 18:14
Stimmt. Ich war auch...
Stimmt. Ich war auch ziemlich entgeistert. Habe 'ne...
Trojaner2304 (Gast) - 26. Apr, 09:09
1984
Ich finde das "Ministerium für Liebe" - ebenfalls Orwell...
DonJuergen - 25. Apr, 18:51
Das passt doch sehr gut!
Das passt doch sehr gut!
DantesMuse - 19. Apr, 10:41
Ich kann da als kinderlose...
Ich kann da als kinderlose Frau nicht mitreden. Aber...
Ani72 - 19. Apr, 08:35
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Ani72 - 18. Apr, 22:35
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DantesMuse - 18. Apr, 21:12